Pakistan 1 – Lahore, Islamabad

Mitte Juli 2013

Nicht alleine die Anzahl der Kalaschnikovs, die man in Pakistan an jeder Ecke sieht, ist Indiz für die Sicherheitslage dieses Landes.

 

Im Grenzgebiet zu Afghanistan und Iran kommt es regelmäßig zu Entführungen.

 

In der Regel religiös motivierte Bomben-Attentate machen immer wieder Schlagzeilen. Wenn man da zur falschen Zeit am falschen Ort ist, wird man schnell zum Kollateral-Opfer.

 

Und jüngst gab es dann sogar einen gezielten Taliban-Überfall auf Touristen, bei dem 10 Bergsteiger erschossen wurden.

 

Notorischer Biernotstand in dem streng islamischen Land, die große Hitze zu dieser Jahreszeit und der Fastenmonat Ramadan sind weitere Aspekte, die uns nicht gerade mit Vorfreude erfüllen.

 

Auf der Positiv-Seite stehen die außerordentliche Gastfreundschaft der Pakistanis und der Karakorum-Himalaya, der als Weltklasse-Ziel unter Motorrad-Reisenden gehandelt wird.

 

Ganz nebenbei gibt es praktisch keine Alternative zur Durchquerung von Pakistan, wenn man von Indien/Nepal auf eigenen Rädern „nach Hause“ will.

Verkehrsmäßig ist auch Pakistan nicht ohne. Im Vergleich zu Indien geht es hier allerdings wesentlich disziplinierter und effizienter zu. Dank geringerer Verkehrsdichte wird jedoch viel zackiger gefahren, so daß wir uns an eine neue Geschwindigkeit gewöhnen müssen, mit der die Gefahren auf uns zu schießen.

 

Wahnwitzige Beladungen und 4 bis 5 Personen auf Motorrädchen sind für uns seit Süd-Ost-Asien ein vertrauter Anblick. Aber ein 6er ist dann auch für uns ein Grund „wow, hast Du die gesehen?“ zu rufen!

Unsere erste Station ist die Großstadt Lahore. Da wir nur ein 30-Tage Visum haben, wollen wir unsere viel zu lange To-Do-Liste möglichst effizient abarbeiten: Iran Visum beantragen, dringend benötigte Ersatzteile auftreiben, mit diversen Motorrad-Clubs treffen und zu guter Letzt noch eine Doku über das einzige pakistanische Tattoo-Studio machen.

Um es vorweg zu nehmen: unser Versuch einen stramm getakteten Terminplan abzustimmen, scheitert kläglich. Pakistan ist trotz außerordentlicher Gastfreundschaft eher das Land der unverbindlichen Versprechen und gerade zu Ramadan hat man mit reichlich zusätzlichen Handycaps zu kämpfen.

 

Apropos Ramadan: Grundsätzlich darf der gläubige Moslem während des Fastenmonats nur von 19.00 bis ca. 3.00 essen und trinken, was er dann übrigens oftmals in exzessiver Art und Weise macht!

In Kombination mit der unglaublichen Hitze hier, die weit schlimmer ist als alles, was wir je erlebt haben, ist speziell das Trinkverbot aus unserer Sicht der reinste Wahnsinn.

Angenehme Überraschung: Reisende und Nicht-Moslem sind vom Verbot ausgenommen.

Das ändert allerdings nichts daran, daß tagsüber alle Restaurants geschlossen sind und wir in der Öffentlichkeit aus Takt nur sehr diskret trinken.

Alleine die Beschaffung unseres Iran-Visums kostet uns unglaubliche 8 Tage! Das ist ein Viertel unserer Visumzeit und frustrier ziemlich!

Bei der iranischen Botschaft wird grundsätzlich nur von Montag bis Donnerstag für 2 Stunden gearbeitet und wir müssen insgesammt drei mal hin.

Zudem müssen wir uns bei der pakistanischen Polizei Finger-Abdrücke für den Iran-Visa-Antrag nehmen lassen. Alleine diese Odysse durch diverse Polizei-Dienststellen wäre ein Kapitel für sich!

 

Die Ersatz-Teil-Jagd gestaltet sich besonders frustrierend. Falsche Versprechungen und endlose Verzögerungen gehen an die Nerven.

Nach vielen Sackgassen und viel Frust steht fest: trotz optimisischer Einschätzungen der örtlichen Biker ist in Pakistan fast nichts aufzutreiben, was wir für die Weiterreise bis in die Türkei dringend brauchen.

Shumail, der Besitzer der örtlichen Suzuki-Vertretung bietet den einzigen Ausweg: Bestellung der Teile in Europa. Selbst im besten Falle wird das Paket so lange unterwegs sein, daß wir eine Visum-Verlängerung brauchen. Da wir schon zig mal Ärger mit stark verspäteten oder ganz verschollenen Paketen auf dieser Reise hatten, haben wir gehörig Bauchschmerzen bei der Lösung. Aber mangels Alternativen bleibt uns nur, in den sauren Apfel zu beißen.

 

Beindruckend: die Gastfreundschaft und Hilfbereitschaft der örtlichen Motorrad-Fahrer: der Präsi des Pakistan Biker Club hilft uns, wo er kann und auch die Jungs von der Motorcycle Association Pakistan sind super nett.

Zu meiner Rechten auf dem Foto: unser Freund Heiko, den wir schon in der Türkei, in Malaysia und in Indien getroffen haben!

Pakistan ist kein Land für Biertrinker: beim Bikertreffen werden statt kaltem Pils pinke Milch-Limo-Mixgetränke gereicht.

Klische pur: ganz in schwarz gehüllte Frau, die ihrem Mann auf dem Fuße folgt.

Fairerweise muß man sagen, daß solche Anblicke in Lahore zwar nicht selten, aber definitiv nicht die Regel sind. Im indischen Kaschmir waren sie weit üblicher. Dort hatten die Frauen oft nicht einmal einen schmalen Sehschlitz sondern nur ein blickdichtes Gitter oder im Extremfall nicht eimmal das.

Auch wir passen uns zu einem gewissen Grad den konservativen Kleider-Ordnung an. Trotz unerträglicher Hitze trage ich wie alle einheimischen Männer lange Hosen.

Simons Kopftuch ist allerdings nur beim Besuch der iranischen Botschaft und in Moscheen nötig.

 

Unsere Tattoos erregen in diesem Land besonders viel Aufsehen. Wir werden oft wie Außerirdische angestarrt.

Im Zoo in Lahore werden von uns mehr Fotos gemacht als von den „wilden“ Tieren.

 

Beim Besuch des einzigen offiziellen Tattoo-Studios der islamischen Republik Pakistan staunen wir nicht schlecht: da hängt doch tatsächlich unsere Kölner Freundin Caro an der Model-Wand des Tätowierers! Die Welt ist ein Dorf!

Das Interview und die Foto-Session dauern viele Stunden. Als wir endlich total geschafft im Hotel zurück sind stelle ich fest, daß die Archiv-Fotos des Tätowierers, die wir für den Artikel unbedingt brauchen, verseucht sind und der Virus sich nicht auf dem USB-Stick löschen läßt.

Notgedrungen nehmen wir zwei Tage später die mühsame Tuk-Tuk-Fahrt ans andere Ende der Stadt erneut auf uns, um uns seine Fotos nochmal zu kopieren.

 

Als wir nach 10 Tagen endlich aus dem Brutofen Lahore rauskommen, sind wir erleichtert.

Unser erster Zwischenstopp ist die Hauptstadt Islamabad, wo wir bei Shuaib eingeladen sind.

Zum ersten mal haben wir das bei Reisenden beliebte Couch-Surfing ausprobiert, durch das kontaktfreudige Einheimische überall auf der Welt Reisende zu sich einladen können.

Unser Couch-Surfing-Debüt ist ein voller Erfolg. Shuaib Großzügigkeit sucht seines Gleichen. Und das in einem Land, das ohnehin für seine herausragende Gastfreundlichkeit bekannt ist. Daß wir uns nicht mal selber ein Cola kaufen dürfen ist nur ein kleiner Teil des Rund-um-Sorglos-Paketes, das auch die Suche nach Reifen und vor allem ein umfangreiches zweitägiges Sight-Seeing-Programm einschließt.

 

Wir haben ja schon über all die amerkanischen Fast-Food-Ketten in Pakistan gestaunt, aber die Freiheits-Statur auf einem Hügel in Islamabad vorzufinden, damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet.

Harris, Panny, Shauib

 

 

 

Hotel-Tips zu diesem Kapitel

 

Lahore Backpacker, 1000 PKR (ca. 7,50) DZ mit Ventilator, 1500 PKR für AC, sicheres Parken um die Ecke, gratis Trinkwasser, Kühlschrank (!), WIFI, N31°33.706 E074°19.122

 

Islamabad (nur vom Hörensagen / wir haben dort ja Couchsurfing gemacht):

Tourist Campsite, 50 PKR (ca. 0,40 EUR) pro Person, N33°42.303 E073°05.275

Hotels sind teuer in Islamabad

 

 

 

 

hier geht unsere Geschichte weiter:

Pakistan 2 - Karakorum Highway, Skardu-Tal - Teil 1

 

Neues Motiv in unserem Spreadshirtshop:

SCHRAUBENSCHLÜSSEL & PULLE

Flockdruck in verschiedenen Farben (schwarz, rot, grau).

Erhältlich als Kapuzenpulli, Pulli, T-Shirt, V-Neck.

Krad-Vagabunden-Spreadshirt-Shop