Tips / Erfahrungsbericht Transalp (RD13)
Neben einigen allgemeinen Tips zur Ersatzteilbeschaffung im (Transalp-freien) Ausland, werde ich hier mit zunehmender Erfahrung Berichte und Tips speziell zu unseren 700er Transalps einstellen.
Ersatzteile allgemein
Die Transalp wird in den meisten Ländern der Americas nicht verkauft und selbst dort wo sie vertrieben wird, sind Ersatzteile nicht automatisch auf Lage.
Beispielsweise in Kanada wird ein Honda-Händler die Transalp (RD13) gar nicht in seiner Datenbank finden und somit auch keine Ersatzteilnummer bestimmen können.
Diese Seite ist Gold wert:
Hier kann man sich bis zum gewünschten Teil durchklicken.
Mit der konkreten Honda-Teile-Nummer kann dann mit etwas Glück das Teil auch in einem Land bekommen, wo die Transalp nicht verkauft wird - vorausgesetzt, das Teil wird auch in einem anderen Modell verbaut, das es in dem Land gibt. Und das ist ziemlich oft der Fall.
Die Seite ist auch höchst hilfreich, falls man gebrauchte Ersatzteile verwenden will, da einem auch noch angezeigt wird, welche anderen Honda-Modelle ebenfalls dieses Teil verwenden.
Nachtrag: da bei obiger Seite mittlerweile die Baugruppen-Schaubilder rausgenommen wurden, bevorzuge ich nun diese hier:
Gleich Funktionen wie die ZSF-Seite, allerdings ist die Honda-Teilenummer ein bißchen umständlicher zu ermitteln. Wenn man sein Ersatzteil gefunden hat, muß man die interne Nummer in das Suchfenster "Part Number" eingeben und bekommt dann u.a. die Honda-Teilenummer angezeigt.
Hier noch ein Tips zur Ermittlung von kompatiblen Ersatzteilen:
Unter www.louis.de kann man in der „Bike-Datenbank“ alle Ersatzteile bestimmen, die es von Louis für das eigene Motorrad gibt.
Wenn man die Louis-Bestellnummer der so ermittelten Teile dann im Produkt-Suche-Fensterchen eingibt, werden alle Motorräder angezeigt, für die das Teil kompatibel ist. Mit etwas Glück findet man so bspw. ein Motorrad einer anderen Marke, das in dem Land, in dem man gerade ist vertrieben wird und das den gleichen Ölfilter, Bremsbelag etc. wie das eigene Krad hat.
Noch bequemer geht es bei Hein Gericke:
Hat man für sein Motorrad das passende Ersatz-/Verschleißteil ermittelt, so kann man unten rechts "passend für" anklicken, um andere Modelle angezeigt zu bekommen, die das Teil auch verwenden.
Auch bei diversen Teile-Herstellern kann man über Motorrad-Typ-Datenbanken und "Rückwärts-Suchen" ähnliche Suchen durchführen.
Online-Wörterbücher Motorradtechnik
http://www.ta-deti.de/ta/english.html (5 Sprachen)
http://www.horizonsunlimited.com/node/369 (7 Sprachen)
http://www.bmw-motorrad.de (19 Sprachen!)
Ersatzteile, die ich immer dabei habe
- Einen kompletten Satz Bremsbeläge pro Motorrad. Unter extremen Bedinungen (z.B. sandhaltiger Schlamm), können Beläge nämlich in allerkürzester Zeit runter sein.
- Für die beiden Transalps zusammen: einen Ersatz Brems- und Kupplungshebel, je einen Schlauch fürs Vorder- und Hinterrad und einen Satz Radlager für das Hinterrad
- einige Kettenschlösser
- 1 Bowdenzug mit Schraubnippeln
- Sicherungen (jede Größe mehrfach, da im Falle eines Wackelkontaktes, den man nicht sofort findet, schnell mehrere Sicherungen der Reihe nach durch sind)
- Für jedes Motorrad einen Satz Zündkerzen

Sehr praktisch finde ich die
NGK-Zündkerzen-Boxen aus Plastik, die man u.a. bei Louis kaufen kann.
Ambitionierte Bastler finden bestimmt noch platzsparendere Möglichkeiten, Zündkerzen so zu transportieren, daß sie weder naß, noch der Diodenabstand verstellt wird.
- nicht zu vergessen: einen GROSSEN SACK voll Schrauben, Muttern, Unterlegscheiben u.ä. in allen Größen. Auf einer langen Reise mit viel unbefestigten Straßen greift man so manches mal in diesen Sack.
Reifen
Anfangs sind wir mit Bridgestone Trailwings gefahren, von denen wir insgesamt knapp ein Dutzend verschlissen haben. Vorderreifen haben zwischen 22 und 26.000 km gehalten, Hinterreifen zwischen 12 und 14.000 km.
Dann sind wir auf Metzeler Tourance (made in Brasil) umgestiegen, von denen ich erstmal begeistert war.
Vorderreifen haben gut 23.000 gehalten, Hinterreifen sogar 25.000 und das bei erstklassigem Fahrverhalten bis zu letzt.
Ich glaub, es war unser dritte Satz Metzler Tourance, bei dem der Ärger anfing: massive Profilablösungen und -Brüche. Um einen Ersatzreifen in Patagonien aufzutreiben, mußten wir 800 km Umweg fahren. Der neue Tourance litt dann nach einigen Tausend Kilometern am gleichen Problem: zu den Profilablösungen und -brüchen kam noch die Bildung von handtellergroßen Blasen, so daß der Reifen in kürzester Zeit unfahrbar wurde.
Ich habe gestern mit einen Engländer gesprochen, der mit dem zwei Tourance in Asien und Australien die gleichen Probleme hatte.
Ich werde mir ohne Not nie wieder einen Metzler Tourance aufziehen!
Chancen, daß in USA/Kanada ein Motorradhändler einen für die Transalp passenden Reifen auf Lager hat, hat man nur bei Kawasaki und BMW. Alle anderen haben dort kein Motorrad im Sortiment, das Enduro-Reifen dieser Maße hat.
BMW F650 GS hat Vorder- und Hinterreifen gleich, die R100GS und Kawasakis KLR haben den Hinterreifen gleich.

Fernab vom TÜV kann man einen Reifen deutlich länger fahren - vor allem wenn man in der Trockenzeit unterwegs ist.
Federbein
Die werksmäßige Voreinstellung des Zentralfederbeins war für meine vollbeladene Transalp eindeutig zu schwach. Bei Schlaglöchern und Bodenschwellern setzte ich des öfteren schwungvoll auf.

Laut einem halben Dutzend Print- und Online-Artikeln, die ich über die 700er Transe gelesen habe, muß das Federbein ausgebaut werden, um es straffer zu stellen.
Scheinbar schreibt da ein fauler Autor beim anderen ab.
So geht’s nämlich auch: Linke Seitenverkleidung ab, Batterie und Batterie-Kasten raus.
Nach 10 Minuten hat man freien Zugriff aufs Zentralfederbein, das man dann in etwas mühsamer Arbeit mit einem Hakenschlüssel verstellen kann.
Eine klare Verbesserung was das Fahrverhalten und die Bodenfreiheit angeht.
Ne Enduro wird aus der Transe damit leider immer noch nicht.
Ketten-Satz
Grundsätzlich kann man den Ketten-Kit (Kette, Ritzel und Kettenblatt) der 600er und 650er Transalp benutzen. Der für die 600er hat allerdings eine O-Ring-Kette, der für die 700er eine verstärkte X-Ring Kette.
Aber die 600er wurde wenigsten mal vor Ewigkeiten für sehr kurze Zeit in Kanada und den USA verkauft und findet sich somit in Datenbanken oder Zubehör-Katalogen.
Bei Bestellung aus letzteren schadet es nicht, die genauen Daten parat zu haben:
Ritzel: 15 Zähne, Kettenrad: 47 Zähne, Kette: 118 Glieder
Trotz exakter Teilenummern hatten wir in Kanada mehrfach Probleme, die Sprockets zu bekommen.
Ritzel (front sprocket):
JT Sprockets: JTF 296.15 oder
Sunnex Part#: 40715
Kettenblatt (rear sprocket):
JT Sprockets: JTR 300.47 oder 324-9420
Bremsbeläge
Zubehör-Beläge:
Bremsbelag vorne:
Hersteller SBS, 67-828HS 80 oder einfach 828
Hersteller EBC: FA388 (HH)
Hersteller Vesrah: VD 172
AP LMP 428
Bremsbelag hinten:
Hersteller SBS, 67-65229
Hersteller EBC: FA140 (Zusatz HH bedeutet Sinther-Metal statt organisch)
Benzin / Verbrauch
Laut Honda soll man die Transe immer mit mindestens 91 Oktan füttern.
Wir haben in den ersten 9 Monaten/60.000 km (in CDN, USA, MEX, BZ, GCA) ausschließlich 87 Oktan und in Utha sogar 85 Oktan getankt. In den USA sind zudem noch 10% Alkohol im Sprit (ich hab in Kanada nicht drauf geachtet, ob das so ist).
Wir hatten jedenfalls keinerlei Probleme mit diesem billigen Sprit. Kein Klingeln der Ventile, keine schlechte km-Ausbeute, wobei wir Letzteres mangels ausreichender Vergleichswerte aus Deutschland nicht sicher sagen können.
Der Verbrauch liegt bei voller Beladung im Schnitt bei 4,4 Litern / 100 km.
Bei widrigen Verhältnissen (ungefestigte Straßen / Wind) kommt man schnell auf 5 oder 5,5 Liter.
Luftfilter
Ich halte sehr viel von K&N-Luftfiltern und hab insgesamt mehrere 100.000 km damit (bei verschiedenen Motorrädern) zurückgelegt und nie Probleme gehabt, selbst bei langem Fahren auf staubigen Pisten.
Für mich ist der Einbau eines K&N-Luftfilters Pflicht bei jedem meiner Motorräder.
Die Vorteile des let-the-dirt-work-for-you-Konzepts sind enorm: Wartungsintervall laut K&N: 80.000, wobei bei meinen teilweise nach 60.000 eine Reinigung nötig war. Aber selbst das ist weit mehr als beim Original-Filter.
K&N-Reinigungsflüssigkeit und Luftfilter-Öl hab ich zwar immer dabei, bekommt man aber glaube ich weltweit.
Bei der Transalp ein gewichtiges Argument: der Honda-Luftfilter ist XL700-spezifisch und damit weltweit nur sehr schlecht zu bekommen. Aufgrund der enormen Größe kommt nicht in Frage, einen Ersatzfilter mitzuführen. Zudem ist der Ausbau oder auch nur die einfache Kontrolle, wie verschmutzt er ist, eine Heidenarbeit: Sturzbügel demontieren, Verkleidung runter und Tank abnehmen!
Falls man dann tatsächlich einen neuen Luftfilter braucht und keinen originalen bekommen kann, kann man noch versuchen, aus Fliesstoff und dem Gerippe des alten einen neuen zu basteln. Bei Simons Triumph Bonneville war das mal die einzige Möglichkeit, die wir in der Türkei hatten und der Filter hat so gut gehalten, wie ein Original. Geht aber nicht bei jeder Filterart.
Ich empfehle ganz klar die K&N-Lösung!
Radlager hinten
Hinter-Rad-Lager von Transalps haben nicht gerade den Ruf, ewig zu halten.
Daher hab ich immer einen Satz auf Reserve dabei.
Da Lager genormt sind, kann man sie bei jedem Kugel-Lager-Fachgeschäft bekommen.
Selbst in Guatemala habe ich mit den Typbezeichnungen alle drei Lager ohne Probleme auftreiben können.
Der Preisvorteil beim Kauf im Fachgeschäft ist überall auf der Welt enorm!
Ich hab in diesem Fall nur 10% des Honda-Preises gezahlt.
Man braucht 3 verschiedene Lager pro Hinterrad:
| Normbezeichnung | Maße in mm | Honda-Teile-Nummer |
| 6303 | 47/17/14 | 91051-K54-003 |
| 6304 | 52/20/15 | 91053-MM5-004 |
| 6203 | 40/17/12 | 42630-GK4-003 |
Gabel-Simmering
Gabel-Simmerringe sind zum Glück nicht transalp-spezifisch.
Die Maße sind für viele Modelle und Marken identisch.
Um nur eins von vielen Beispielen zu nennen: die Simmerringe der BMW F650 passen auch bei der Transe.
Wenn man die Maße hat, kann man eigentlich (fast) überall welche bekommen:
41x54x11