entlang der West-Coast gen Süden:
Washington State, Oregon, Nord-Californien - September 2010
Der Grenzübertritt in die sogenannten „lower 48“ der USA (lower 48 + Alaska + Hawaii = 50 Staaten der USA) ist erwartungsgemäß locker.
Nach einem Dutzend Fragen werden wir für „gut“ befunden.
Hat sich gelohnt, das Alaska-Visum zu behalten, auch wenn wir dadurch für Alaska und die gesamte Strecke bis Mexiko insgesamt nur 90 Tage haben, was nach unseren Maßstäben nicht allzu viel ist.

In Port Angeles sind wir mal wieder bei einem Adventure-Riders (ADV) Buddy eingeladen.
Als wir an der angegebenen Adresse ankommen, wissen wir nicht, ob wir fluchen oder lachen sollen:
es ist eine Zahnarztpraxis!
Hintergrund für unser Gefühlsdilemma ist, daß Simon zwei Tage zuvor für 200 Dollar eine NICHT akute Zahnbehandlung hatte.
Hätten wir da schon gewußt, wo wir heute zu Gast sind...
Daß wir die 200 $ selbst zahlen mußten, ist normal.
Unsere Reise-Krankenversicherung deckt nur Notfälle ab.
Zahnbehandlungen müssen wir wie vieles andere aus eigener Tasche zahlen, was bei begrenztem Budget schmerzhaft ist.
Das sind eben die Schattenseiten des Vagabunden-Lebens.
Nebenbei bemerkt: das Thema Krankenversicherung wird immer schwieriger, je länger man unterwegs ist und je älter man ist.
Die Olympia-Halbinsel, die vor Wochen von Victoria aus so verlockend aussah, erleben wir leider im Dauerregen.
Wir hatten schon so eine Ahnung, da die Halbinsel von REGEN-Wald bedeckt ist.

Auf der One-O-One (101) geht es entlang der Küste gen Süden.
Bei Astoria fahren wir auf einer ewig langen Brücke über den Mündungsbereich des Columbia Rivers, dessen schönem Tal wir von hier an für einige 100 km folgen.
Als wir in Camas bei Kevin, den wir in Kanada kennen gelernt haben, zu Besuch sind, haben wir endlich Gelegenheit unsere mittlerweile ziemlich üppige To-Do-Liste abzuarbeiten:
wenn man dauerhaft reist, gibt es ständig irgendwas zu ersetzen oder besorgen. Von Verschleißteilen beim Motorrad ganz zu schweigen.
Solche Dinge auf Reisen zu organisieren, ist viel zeitaufwendiger als zu Hause. So sind wir froh, daß uns Kevin „bei der Hand nimmt“ und einen ganzen Tag mit uns durch das auf der anderen Seite des Flusses gelegene Oregon tourt. Wir hätten nämlich nicht gewußt, daß auch in den USA die Steuern in allen Staaten verschieden sind: auf diese Weise sparen wir 9 % MWSt auf die ohnehin deutlich günstigeren Preise als in Kanada.

Nachdem wir einige Schlenker auf Empfehlung von Einheimischen gefahren sind (unsere bevorzugte Info-Quelle!), biegen wir gen Süden ab.
Oregon zeigt sich als trockene, heiße Gegend, die uns gut gefällt!
Leider ist alles eingezäunt und überall prangen „no trespassing“-Schildern.
Wild campen ist unmöglich.
Letztendlich schlagen wir unser Lager im niedlichen Stadtpark einer kleinen Gemeinde auf - weit und breit das einzige Dörfchen.
Kaum haben wir angefangen, in Sichtweite der wenigen Häuser unser Zelt auf dem extrem gepflegten Grün aufzubauen, da kommt ein kleiner Junge an und gibt uns mit dem wortkargen Kommentar „some apples“ ne Tüte voll Äpfel.
Und schwups ist er wieder weg.
Unsere typisch deutschen Sorgen, ob wir hier zelten dürfen haben sich damit erledigt.
Das Leben als Vagabund zeigt sich mal wieder von seiner schönen Seite.
In den Painted Hills genießen wir wunderschöne Natur, die sich zudem wohltuend von der gewohnten Landschaft in Kanada abhebt.
Wir sind uns nicht sicher, was reizvoller ist: die tollen Farben der Hügel und die erstklassigen Motorrad-Strecken, oder das Gefühl endlich wieder „Neuland“ (anstatt sich doch recht stark ähnelnde Landschaften in Canada) zu betreten.
Im Laufe unserer Reise haben wir viele Motorrad-Reisenden getroffen, die uns zu sich nach Hause eingeladen haben.
Und dank Internet ist es ein Leichtes, Kontakt zu anderen Krad-Reisenden zu bekommen.
So sind wir häufig zu Gast bei Gleichgesinnten. Viel häufiger, als ich es in unserem Reisetagebuch hier erwähne.
Unsere nächsten Gastgeber sind allerdings etwas besonderes: Gail & Eric aus Westfir/Oakridge (Oregon) haben in den letzten zwanzig Jahren einige Hundertausend Motorrad-Kilometer zusammengefahren. Außer Afrika wurde jeder Kontinent zig mal bereist. U.a. haben sie Anfang der 90er als erste offiziell mit einem Fahrzeug (einer BMW GS) Rußland von Ost nach West durchquert. Nebenbeibemerkt auch noch auf der Magadan/Tynda-Route. Das ist ne GANZ andere Liga als fuckin´ „Long way round“!
Die beiden haben nicht nur viel zu erzählen und reichlich gute Tips für die Ferne und die Nähe, sondern beherrbergen mit Begeisterung Motorrad-Reisende - wenn sie denn nicht gerade mal wieder selber unterwegs sind.
Hier vorbeizuschauen und ein paar Tage zu bleiben, ist Pflicht! Das sollte man sich nicht entgehen lassen.
Nicht von der alles andere als up to date Homepage abschrecken lassen:

Gleichzeitig mit uns sind noch Adam aus England, der seit vier Jahren mit dem Krad um die Welt reist und Shigeru aus Japan, der es in einem Jahr von Japan durch Rußland und Europa bis hier hin geschafft, zu Gast.
Wiedermal eine hervorrangende Gelegenheit, sich auszutauschen, zumal Adam aktuelle Erfahrungen aus Süd- und Mittel-Amerika „im Gepäck“ hat.

Es ist gute Tradition, einen hölzernen Wegweise mit dem eigenen Namen etc. zu gestalten (siehe auch vorheriges Bild).
Mittlerweile ziert ein stattliche Anzahl davon die diversen Sign-Posts auf dem weitläufigen Gelände von Eric und Gail.

Wo Eric diese deutsche Krad-Bullen-Jacke her hat und ob ihr Vorbesitzer noch lebt, wollte er partout nicht verraten.
Aber er war furchtbar stolz auf sie.
Daß wir sie bei der gemeinsamen Ausfahrt die ganze Zeit von hinten anschauen mußten, war keine schöne Sache:
wer in Deutschland diese Aufschrift aus besagter Perspektive sieht, ist i.d.R.wenige Momente später traurig.

Adam war übrigens ein sehr witziger Bursche, der u.a. ordentlich über sich selbst lachen kann:
Seine Homepage heißt http://shortwayround.co.uk/ (in Anspielung auf das von mir mittlerweile verhasste Long Way Round).
Adams Slogan: short on legs, short on hair and short on cash - riding around the world.
Auf dem Bild wird zumindest deutlich, daß er nicht die längsten Beine hat- was offensichtlich kein Hindernis ist, ne hochbeinige Enduro zu fahren!
Sehr symphatischer Kerl!

Crater Lake wurde uns von zig Motorrad-Reisenden, deren Weg wir kreuzten, empfohlen.
Zu recht!
Für eineinhalb Stunden geht unsere Fahrt entlang des Krater-Randes, wobei ein View Point den nächsten in Sachen toller Aussicht auf den Krater-See überbietet.

Zurück an der Küste geht die One-O-One (101) in die One über - eine der berühmtesten und vielleicht schönsten Straßen der USA.
Das Foto wird dem landschaftlichen und motorrad-fahrerischem Reiz der Küstenstraße nicht gerecht.
Besonders schön ist die Fahrt durch die drei Teile des Redwood-National Parks.
Mehrfach geht es durch neblig-gespenstische Baum-Riesen-Wälder.
Die Bäume sind so hoch und das Laubwerk so dicht, daß es nie richtig hell hier „unten“ wird.
Ganz besonders die „Loops“ über kleinste Straßen entlang des Pazifik machen in diesem Bereich Spaß.

Nebel ist hier jedoch keine Seltenheit und reicht weit ins Land hinein, wie wir einen langen Morgen in den angrenzenden Bergen erfahren müssen.

Über die Golden Gate Bridge gelangen wir nach San Franciso.
Golden Gate Bridge - bestimmt die berühmteste Brücke der USA und so manches mal hieß es uns gegenüber:
über die muß man einfach mal gefahren sein.
Zugegebenen: es ist erhebend, über ein solches Wahrzeichen zu fahren.
Vom reinen Fahrerlebnis muß ich jedoch sagen, daß es wesentlich spannendere Brücken gibt.
Zum Beispiel die weiter oben erwähnte Brücke bei Astoria oder die Ridgemond-Bridge, die wir auf dem Weg raus aus San Francisco nehmen:
Hier einige wenige touristische Pflichtfotos aus San Francisco:

Alcatraz - die Gefängnis-Insel

Lombard-Street: so ziemlich jedes Auto, das sich diesen Hügel runterschlängelt, dürfte voller Touris sein.
Der „Rest“ der Touris steht wir wir am Fuße des Hügels und fotographiert.

Interessante Straßenführung!
Hier geht unsere Geschichte weiter: Yosemite National Park