Süd Californien - Ende Oktober 2010

 

Wir holen in Las Vegas die Ersatzteile ab, die wir 2 Wochen zuvor bestellt haben.

Die drei Monate lang nicht mehr lieferbaren Bremsbeläge sind dabei! Wir sind erleichtert und nun gut gerüstet für Mexiko/Mittelamerika, denn nach dem was wir gehört haben, sind Ersatzteile in Mexiko, wenn überhaupt, nur in den großen Städten und auch dort zu keineswegs günstigen Preisen zu ergattern. Ganz zu schweigen von unseren üblichen Problemen, weil die Transen außer in Chile nirgendwo in den Amerikas verkauft werden.

 

Wo wir nun eh nochmal in Vegas sind, nutzen wir die Gelegenheit und suchen uns diesmal in der Nähe des Double Down Saloon ein billiges Motel. Die gute Lauen steigt uns zu Kopf und Bier und Brandy sind schon am frühen Abend so was von lecker und süffig. Wir schaffen es nur noch mühsam in den DD und der Rückweg scheint gar „bergauf“ zu gehen. Daß ich auf halbem Hinweg bemerke, daß ich den für den Einlaß in den DD zwingend nötigen Perso vergessen habe (wie immer!), machte die Aktion nicht einfacher und mich zu Recht zum unbeliebtesten Krad-Vagabunden-Team-Mitglied des Abends - ich hätt mich selber in den Arsch treten können, daß wir wieder zurück ins Motel mußten um, diesen verfluchten Ausweis zu holen. Einmal mehr zeigte mir das Reisen die Vorteile meines Vaterlandes.

 

 

 

 

 

 

Wir posieren mal wieder in T-Shirts unserer Kölner Lieblings-Punkrock-Kneipe für deren „Ballroom weltweit“ Bilder-Galerie.

Als wir am nächsten Morgen aufbrechen, spüren wir allzu deutlich die Folgen der exzessiven Nacht. Daß es zudem seit dem vorigen Abend schifft, hebt die Stimmung nicht.

 

Zum Glück trennen uns nur noch wenige 10km von der Mojawe-WÜSTE.

 

Wüste - da kann es doch nicht regnen!

 

Leider doch!

 

Und damit bekommen die Warnschilder, die vor den Sturzfluten warnen, mal wieder ein ganz anderes Gewicht!

 

 

 

 

Nicht unser erster Salzsee und ganz sicher nicht der letzte, den wir auf dieser Reise sehen, aber dennoch immer wieder faszinierend!

 

 

 

 

Für wenige km fahren wir die wohl legendärste und meist besungenste Straße Amerikas entlang: die Rout 66.

 

Kuriosität am Wegesrand:

 

Hunderte Schuhe hängen in einem Baum und liegen drumherum (das Bild zeigt nur einen Bruchteil).

 

Weniger kurios: es riecht hier auch genau so, als hingen & lägen hier Hunderte oller Schuhe rum.

Nördlich des Joshua Tree National Park kommen wir durch ein skurriles Örtchen:

Zwei Arten von Geschäften dominieren die Hauptstraße von 29Palms: gut ein halbes Dutzend Tattoo-Shops und mindestens doppelt so viele Frisöre mit Namen wie „Combat Barber“, die alle eine einzige Frisur anbieten: Marine Haircut.

Das hier eine große Marine Corps Base in der Nähe ist, hat offensichtlich seine Auswirkungen!

Allerdings hatte ich vor ca. einem Jahr gelesen, daß in der ganzen US-Army Tattoos so populär geworden seien, daß die Army ihren Soldaten das sich weiter tätowieren lassen verboten habe.

Da hier aber auch so ziemlich jeder Zivilist, den wir sehen, tätowiert ist, scheint es genug Arbeit für die Tätowierer zu geben.

 

Im Joshua Tree National Park fragen wir uns, ob die Baja California in Mexiko sehr anders aussehen wird. Für uns sieht es HIER richtig „mexikanisch“ aus.

 

 

 

Auch hier gibt es, wie fast immer, reichlich Auswahl an spannenden Wanderwegen.

 

Einmal mehr erkunden wir diverse verlassene Minen.

 

Die Gefahren des Krad-Vagabunden-Lebens: ein Biene hat sich während der Fahrt in Simons Helm verirrt und sie ins Gesicht gestochen. Da die Nerven zu behalten und die Karre ruhig an den Straßenrand zu manövrieren, ist Beherrschungs-Sache und die nachfolgende Schwellung ist nicht von schlechten Eltern! Simon jammert fortan ständig, sie könne Ihr eigene Wange sehen!

 

 

Schein und Sein

 

 

 

 

 

Am  Salton Sea  finden wir einen traumhaften Strand zum wild zelten.

 

 

 

 

 

Unzählige Reiher und Pelikane nutzen den Fischreichtum des Sees.

 

Neidisch?

Die Realität sieht so ähnlich wie oben beschrieben aus:

Um an den See zu kommen, haben wir uns durch Brachland gekämpft und sind über mehrere Hundert Meter schmierige Piste geschliddert.

Daß das schlicht weg ne wilde Müllhalde war, hat uns nicht geschreckt:

in Ufer-Nähe glitzerte ja der Strand wie auf dem ersten Bild gezeigt.

Flux das Zelt aufgestellt und gefreut.

Währenddessen bemerkten wir, daß der vermeindliche Sand nur aus Muschelschalen bestand.

 

Leider entpuppte sich der „salzige“ Geruch des Sees als der Duft Hunderter verfaulender Fische in unserer näheren Umgebung.

 

Manchmal hat man Glück, manchmal muß man sich die Dinge schön reden und trinken!

 

Einige Bierchen später und beim schmeichelhaftem Licht des Lagerfeuers an dem sehr einsamen Strand (welcher Einheimische würde auch hier hin gehen!), sieht die Welt für uns jedenfalls eindeutig wunderschön aus!

 

In San Diego sind wir seit drei Wochen zum ersten mal wieder bei einem ADV-Buddy zu Besuch:

Gregg hat in den letzten Wochen schon so manche Internet-Bestellung für uns in Empfang genommen.

Bei ihm können wir uns und die Motorräder für Mexiko auf Vordermann bringen.

 

Gregg´s Werkstatt kommt uns dabei zu statten.

Gregg ist übrigens ganz nach unserem Geschmack: seinem Haus, in dem er seit ein-einhalb Jahren wohnt, schenkt er wenig Beachtung und hat vieles noch immer in Kartons. Einzig die Garage hat er schon fein eingerichtet (inklusive Flat-Screen - siehe Foto!). Ne GS-Adventure, eine KTM, diverse Dirt-Bikes und eine MV Augusta quetschen sich in die werkzeugmäßig fein ausgestattete Garage.

 

Als wir nach vier Tagen aufbrechen kommt, es uns vor als wären wir eben erst angekommen.

Das liegt zum einen an dem besonders netten und vor allem unkomplizierten Gastgeber, zum anderen aber daran, daß wir fast die ganze Zeit zu tun hatten mit Motorrädern, Krankenhaus, Versicherung und einigen anderen (Weiter-)Reise-Vorbereitungen.

Von San Diego haben wir leider fast nichts gesehen, was schade ist, denn die Stadt machte einen interessanten Eindruck: so richtig californisch, wie man sich das als Deutcher vorstellt.

hier geht unsere Geschichte weiter: Emergency Room