Las Vegas - Anfang Oktober 2010

 

Seit wir Halifax vor über 5 Monaten verlassen haben, haben wir uns kein Hotel gegönnt.

Angesichts spektakulär niedriger Zimmerpreise in Las Vegas während der Woche, buchen wir uns jedoch für vier Nächte in einem Casino-Hotel ein: für rund 50 EUR insgesamt!

Vor Ort erleben wir jedoch eine böse Überraschung: mit dem vorab per Kreditkarte bezahlten Betrag ist es nicht getan: eine scheinbar in Las Vegas nicht unübliche Ressort-Pauschale für WLAN, Pool, freie Telefonate und andere Dinge (laut Internet-Buchung alles gratis) in Höhe von insgesamt nochmals 50 EUR wird erhoben. Diskutieren zwecklos. Feiner erster Eindruck von dieser Stadt!

Im Nachhin entdecke ich den Betrag im Kleingedruckten der eMail-Bestätigung - versteckt unter der Rubrik „Stornierungs-Bedingungen“. Daß ich die Bestätigung nur auf Nachfrage bekommen habe, hatte bestimmt seinen Grund.

In Deutschland wäre das unlauter und man könnte die Zahlung verweigern.

Aber hier? Ich mach mir erst gar nicht die Mühe, mich groß rumzustreiten und vor allem zu ärgern.

Für 25 EUR pro Tag ist das Zimmer immer noch echt in Ordnung.

 

Wir freuen uns schon drauf, mal für vier Tage in unseren „eigenen“ vier Wänden frei schalten und walten zu können. Wenn wir nämlich privat bei Leuten zu Gast sind, ist das was anderes, zumal man sich dort dann immer die ganze Zeit unterhalten muß und sich vom Tages-Ablauf weitgehend nach den Gastgebern richten muß.

 

Vier, respektive fünf Tage Urlaub vom Reisen liegen vor uns!

Und den lassen wir uns auch nicht davon vermiesen, daß die ersten 24 Stunden kein WLAN funktioniert - obwohl ich hier eigentlich viel online-Hausaufgaben machen wollte.

 

Auch der Benzin-Kocher wird diese fünf Tage ausbleiben.

 

Die Preise für die rießigen Casino-Buffets sind so spektakulär niedrig, daß wir uns einige Kilos anfressen.

 

Dabei hatten wir schon vorher ordentlich zugelegt, wie dieses Foto von unserem letzten Picknick kurz vor Las Vegas bezeugt (man achte auf die durchgebogene massive Alu-Sitzbank).

 

In unserem Hotel kostet das Buffet je nach Tageszeit zwischen 5 und 10 USD pro Person.

Dafür stehen ca. 150 Gerichte in einem Dutzend „Länder“-Bereiche zur Auswahl.

Besonders fasziniert sind wir von den ausgewogenen gesunden Gerichten in der USA-Sektion: u.a. Maniok und Kartoffelpüree mit Marshmellows!

 

Wir verbringen die ersten zwei Tage mit Ersatzteilbestellung und Wartung der Motorräder.

U.a. ruiniere ich meinen Kettentrenner endgültig, als mir nun auch noch der Ersatz-Bolzen abbricht. Dem Schrauberprinz Andi seine Worte „ich mag die Dinger nicht, da brechen die Bolzen so leicht“ klingen mir den ganzen Tag in den Ohren.

Zähneknirschend kaufe ich einen neuen Kettentrenner, der VIEL besser funktioniert. Da er jedoch keine Glieder vernieten kann, muß ich das alte Tool auch weiter mitschleppen.

Wiedermal einige Gramm mehr, die sich mittlerweile summieren.

 

 

Ein Besuch auf dem Strip ist natürlich ein MUSS:

 

Auf dem Weg dorthin kommen wir im südlichen Bereichs des Las Vegas Boulevards, der später zum Strip wird, an zig Hochzeitskapellen vorbei.

 

 

Las Vegas ist berühmt für seine vielfältigen und oftmals skurielen

„Wedding Chapels“ - oftmals steht außen angeschlagen, in welchem Kostüm (z.B. Elvis) der „Standesbeamte“ die Trauung vornehmen kann.

Ein weiteres Werbe-Argument so ziemlich jeder Mini-Kapelle sind Prominente, die hier (im Rausch) oftmals sehr kurze Ehen begonnen haben.

 

 

 

 

 

Typisch amerikanisch: hier gibt es alles als „drive through“. Auch die Hochzeit. Vermutlich auch die Ehe.

 

Der Strip ist genau so, wie man ihn aus den Medien kennt: eine rießige Glitzerwelt, in der die großen Casinos sich gegenseitig zu übertumpfen versuchen.

Jedes hat ein eigenes Motto, das sich durch das ganze Casino und Hotel zieht und versucht mit gratis Attraktionen die Gäste anzulocken: Zirkus-Vorführungen, perfekt inszenierte „Vulkan-Ausbrüche“, Wasser-Spiele, die weit jenseits von Springbrunnen-Niveau sind, GoGo-Girls und Burlesque-Croupiers, ein nachgebautes Paris, Cesar´s Palace und vieles vieles mehr.

 

Die Ausmaße der Casinos im Inneren sind überwältigend. Hier scheinen Millionen von Menschen gleichzeitig ihre Kohle zu verzocken (vor allem an den Geldspielautomaten).

 

Heute Abend gönnen wir uns zum ersten mal seit über 5 Monaten wieder eine Punk-Rock-Kneipe!

 

Vor dem Doubel Down Saloon stehen coole Motorräder, die den Rausschmeißern zu gehören scheinen.

 

„Saloon“ & Motorräder - wie paßt das zu Punk-Rock?

 

Als wir durch die Eingangstür kommen, wissen wir sofort:

hier sind wir richtig!

Das hier ist ein Etablissement nach unserem Geschmack:

An der Wand prangt ein riesiges „Shut up and drink“ und die Mehrzahl der Gäste ist heftigst zutätowiert und gepierct.

 

Allerdings alles ein bißchen heftiger als wir es von zu Hause kennen.

Typisch Las Vegas: die Suicidal-Girl-Version einer Punkette: zierliches Mädel mit für unsere Maßstäbe vollkommen unproportionalen XXXL-Titten (so sieht hier die Hälfte aller Frauen berufsbedingt aus), Paris Hillton Frisur und bis auf die Hände und den Hals flächig tätowiert.

 

Wir haben den Punkrock-Bingo-Abend erwischt. Höchst unterhaltsam: die Gewinner des über unzählige Runden gehenden Bingos müssen u.a. immer üppig dimensionierte Frauen-Reizwäsche anziehen (und den Rest des Abends anbehalten).

 

Zwischendurch gibt es Sideshow-Einlagen (!) und einen Komiker, der eine extrem versaute Version der aus jeder Einkaufszone der Welt bekannten Luftballon-Tierchen zum besten gibt. Wir verstehen zwar nur die Hälfte, finden aber diese Mischung aus vertraut schmuddeliger Punkrock-Kneipe und Show-Einlagen große Klasse.

 

Die Öffnungszeiten erinnern an den Trinkteufel in Berlin: 24h/7Tage pro Woche.

Happy-Hour-Kombi-Anbebote für Bier und Schnapps gibt es z.B. täglich von 3.00 bis 12.00.

So ein Laden in Köln wäre unsere Stammkneipe gewesen!

 

www.doubledownsaloon.com

 

hier geht unsere Geschichte weiter: Canion Land - Teil 1