Peru 2: Pato Cañon - Juni 2011

Von Huanchacho (bei Trujillo) sind es nochmal ca. 130 km durch die Wüste bis wir bei Santa (kurz vor Chimbote) die Panamerica in Richtung Anden verlassen. Vor uns liegt der vielgepriesene Pato Cañon, auf den wir uns schon mächtig freuen.
Anfangs ist die Strecke noch recht reizlos. Als dann der Rio Santo neben uns auftaucht, wird es interessant.

Nach 70 km macht die Straße eine 90 Grad Linkskurve und führt über eine Brücke, die auf den ersten Blick vollkommen unproblematisch aussieht. Aber sie hat es in sich. Wir sind schon über verdammt viele wackelige klapprige Brücken gefahren. Aber diese hier macht mir weiche Knie! Die Planken sind wie so oft locker und zum Ende hin fehlen viele ganz. Für Autos kein großes Problem. Für uns ist das Spurhalten jedoch Nervensache, da von der Seite extrem starker Wind bläst, der uns so selbst auf einer Teerstraße zu schaffen machen würde. Jeder Fehler wäre nun fatal: Zur Seite gibt es natürlich kein Geländer und selbst ein Abkommen von der Planken-Spur in Richtung Brückenmitte wäre schlimm, da dort die querliegenden Bohlen teilweise einen halben Meter Abstand haben – genug, daß ein Motorrad-Vorderrad darin verschwindet und die Fahrt abrupt beendet. Soviel Schiss hab ich noch nie auf ner Brücke gehabt! Hölle!
Als auch Simon endlich wohlbehalten auf der anderen Seite angekommen ist, bin ich heilfroh. Kurze Zeit später der Schock: alles war umsonst: wir sind falsch abgebogen. Statt der Teerstraße über die Brücke zu folgen, hätten wir die schlechte Off-Road-Strecke gerade aus nehmen müssen. Ich will es anfangs nicht glauben und fummel verzweifelt am Navi rum in der Hoffnung, eine brücken-freie Lösung zu finden. Aber es hilft nix: wir müssen nochmal über diese verfluchte Brücke!

Nach der Aktion kommt uns die Rappel-Piste wundervoll vor.
Fester Grund und kein Wind! Wie schön!

Was für eine faszinierenden Landschaft!
Grandios!
Ich hab Tränen in den Augen, so ergriffen bin ich von der Schönheit dieser kargen Schlucht!
Für solche Momente lebe ich! Yeah!

Man könnte alle paar Meter für ein neues Foto-Shooting anhalten. Alleine fast 40 Tunnel soll es auf dieser Strecke geben! Viele davon einige 100 Meter lang. Alle unbeleuchtet, einspurig und mit buckeligem Schotter und Schlaglöchern, die man im staubschwangeren Dämmerlich nicht erkennen kann!
Leider rennt uns die Zeit davon! Es ist mal wieder später Nachmittag und schon absehbar, daß wir es auf keinen Fall im Hellen bis zur nächsten Stadt schaffen werden. Da wir diese Welt-Klasse-Strecke zudem auf keinen Fall durch-hetzen wollen, fangen wir bei Zeiten an, nach einem Spot zum wild campen Ausschau zu halten. Gar nicht so einfach in so einer engen Schlucht.

Aber wir haben Glück und finden eine Stelle, die zwar nur wenige Meter neben der Straße liegt, aber durch einen Steinwall sichtgeschützt ist. Da hier zudem fast kein Verkehr ist, sind wir zufrieden. S08°41.024 W078°11.727
Bei Einbruch der Dunkelheit entfaltet der Platz dann ungeahnte Reize: wir haben Vollmond und die Szenerie unter funkelndem Sternenhimmel in der vom Mondlicht beschienenen engen Felsschlucht ist der Hammer! Wir liegen nach dem Abendessen weinglücklich auf dem Rücken auf buckeligem Felsboden und können uns gar nicht satt sehen an diesem Himmel und diesem romantischen Ort. Glücklich schlummern wir ein und werden irgendwann mit steifem Genick und schmerzendem Rücken wach. Autsch! Davon werden wir noch Tage haben. Schlaftrunken kriechen wir mit schmerzenden Muskeln ins Zelt.

Was wir am nächsten Morgen auf unserer Weiterfahrt zu sehen bekommen, ist ein Feuerwerk für die Sinne: das hier ist eine der besten Motorrad-Strecken, die ich jemals gefahren bin!

Aber der Schrecken der gestrigen „bösen“ Brücke sitzt mir noch tief in den Knochen. Bei jeder der vielen Brücken, über die wir heute fahren, mache ich mich sobald sie in Sicht kommen im Sattel gerade, um schon von weitem ängstlich zu erspähen, in welchem Zustand sie sind. Aber an diesem perfekten Tag sind auch die Brücken perfekt.
Neben der spektakulären Motorad-Strecke gibt es auch „am Straßenrand“ einiges zu sehen:
ein Friedhof, der in dieser kargen Landschaft ansich schon sehenswert wäre. Grabräuber haben die Gruften aufgebrochen und die Gebeine liegen achtlos davor. Gruselig! Unwillkürlich schaut man über die Schulter und ist in Versuchung, sich schnell auf´s Krad zu schwingen und weiter zu fahren.
Immer wieder kommen wir an primitiven Kohle-Gruben vorbei, wo mit minimaler Belegschaft und weitgehend mit Man-Power die Kohle gebrochen und auf LKWs verladen wird.

Manches mal verjüngt sich die Piste bedrohlich und wir sind froh als einspurige Fahrzeuge vergleichsweise locker durchzukommen. Gegenverkehr in solch einem Moment wäre kein Spaß und den Blick in den Abgrund verkneift man sich auch besser. Da wird einem schwindelig!

Felsüberhänge und senkrecht aufragende Fels-Wände. 1001 Nacht in Peru - märchenhaft!

Ein steter Wechsel zwischen engen Passagen, bei denen die Felswände der beiden hier aufeinander treffenden Gebierge teilweise nur 15 Meter voneinander entfernt sind und weiten Abschnitten, die nicht minder reizvoll sind.

Immer entlang des Rio Santo, zu dem es oftmals brenzlig steil runter geht am unbefestigten Straßenrand.

Von uns aus könnte dieses Tal niemals enden!

Trotz aller Faszination: es ist eine heiße staubige Fahrt und als wir die erste kleine Stadt erreichen, ist es Zeit für eine typische Peru-Erfahrung: ich kaufe mir mutig das nationale Erfrischungsgetränk, eine „Inka Kola“. Hat die Farbe von Klo-Reiniger und schmeckt wie eine Flasche flüssiger Gummibärchen. Wer Red Bull lecker findet, wird Inka Kola lieben!
hier geht unsere Geschichte weiter: Peru 3: Cordillera Blanca