Patagonien Teil 7 - Dezember 2011
Pucon liegt im Herzen des chilenischen Seengebietes, genauer gesagt der „Siete Lagos“:
Pitoreske Seen und Flüsse, saftig grüne Wiesen und Wälder. Mehr als einmal glauben wir im heimischen Schwarzwald oder in den Alpen unterwegs zu sein. Einzig, daß man fast immer den einen oder anderen schneebedeckten Vulkan im Blick hat, erinnert uns daran, daß wir in Chile sind.
Selbst aus der Stadt heraus hat man einen erstklassigen Blick auf den Volcan Villarrica.
Den will Simon in Kürze erklimmen.
Vorher machen wir aber erst noch eine Tour gen Süden entlang des Lago Calfquen und des Lago Panguipulli. Überall laden wunderschön gelegene Aussichtspunkte zum Verweilen ein.
Im angenehm untouristischen Chochuenco schlagen wir für faire 4 EUR unser Zelt auf, spazieren durch das verschlafene Örtchen und am See entlang.
Der nächsten Tag steht in Sachen Motorrad-Fahrspaß dem Vortag kein bißchen nach! Herrlich!
Wir treffen drei Franken, die mit ihren Boxern für 6 Wochen hier unten unterwegs sind.
So selten Begegnungen mit anderen Motorrad-Reisenden zwischen Mexiko und Bolivien waren, so häufig haben wir sie nun: wir sehen täglich deutsche Gefährte und treffen ständig deutsche und andere Motorrad-Reisenden. Von der geführten Motorrad-Reisegruppe über die selbständige „Kurz“-Tourer bis hin zum Langzeitreisenden ist alles dabei.
Schluß mit lustig: für Simon wird es ernst: sie will den Villarrica Vulkan besteigen.
Eine Mühsahl, die ich mir realistischerweise gar nicht erst zu traue: 5 Stunden lang geht es im Zickzack steil bergauf – zu einem guten Teil durch tiefen Schnee. Das ist kein Spaziergang.
Oben angekommen wird man nicht nur mit einem grandiosen Panorama, sondern auch mit einem Blick in den stetig rauchenden Krater belohnt.
Mein Mädchen ist am Abend total erschöpft und ein kräftiger Muskelkater ist am nächsten Tag ihrer Mühen Lohn.
Den wird man am besten in einer der vielen heißen Quellen los, die es hier in der Gegend gibt.
Die unterscheiden sich vom Komfortgrad und auch vom Preis erheblich. Uns zieht es zu den am stärksten naturbelassenen hin: den Termas Los Pozones, S39°13.564, W071°38.686,
Die Anfahrt ist erneut Heimat pur: wieder glauben wir im Sommer durch einen deutschen Hochgebirgs-Wald zu fahren.
Gegenüber der Termas schlagen wir für 1.000 CLP (1,50 EUR) unser Zelt auf.
Mit 4.000 ARS (knapp 6 EUR) ist der Eintritt zu den sechs mit teilweise unerträglich heißem Wasser gespeisten Felsen-Pools für hießige Verhältnisse recht moderat. Man kann auch locker das Dreifache ausgeben. Für vom Motorradfahren und Vulkanbesteigen verspannte Muskeln sind die Termen ein Wohltat!
Im Seen-Gebiet gibt es gemessen an dem, was wir gewohnt sind, viele Teerstraßen.
Wer Schotter oder Härteres bevorzugt, kommt hier aber auch nicht zu kurz. Es gibt reichlich Möglichkeit auf Pisten das Gebiet zu erkunden.
Das absolute Highlight der Region ist der Parque Nacional Conguillio!
Bei brutaler Hitze geht es durch eine Mondlandschaft aus erkalteter Lava!
So übel die Temperaturen und so groß der Wunsch diesen Brutofen hinter uns zu lassen, wir kommen dennoch nicht voran: in dieser surrealen Landschaft muß man einfach alle paar Minuten staunend anhalten und den Fotoapparat zücken!
Es fiel uns im Nachhinein ausgesprochen schwer, nur drei Fotos aus all den Hammer-Schnappschüssen auszuwählen.
Der nördliche Teil des Parks ist nicht ganz so spektakulär, aber dennoch sehr schön. Dafür nimmt die Piste nun unserer ganze Aufmerksamkeit in Anspruch: Als die viele Kilometer lange Sandpassage endlich endet, kommt es erst richtig dicke: der Grader hat gerade eine dicke Schicht frischer weicher Erde über den Weg verteilt und die Dampfwalze ist noch viele Kilometer weit weg. Drecks-Pisten zu fahren, ist für uns Alltag. Aber heute sind wir echt froh, als wir endlich wieder Teer unter den Reifen haben, den man sich hier übrigens, wie vieler andern Ortes auch, mit so manchem Viehzeug teilen muß.
Laut unserem Reiseführer ist der „Tunel Las Raices“ mit 4,8 km der längste Südamerikas und in schlechtem Zustand. Nun ja. Wir haben auf dieser Reise einige üblere Tunnel durchfahren. Aber verdammt lang ist er, daran gibt es keinen Zweifel!
Wer kennt es nicht: den ganzen Tag sieht man einen geilen Spot zum wild campen nach dem anderen. Kaum neigt sich der Tag dem Abend zu, da ist plötzlich „Ebbe“.
Wir fragen bei zwei Campingplätzen an, die beide ungefähr das Doppelte von dem wollen, was wir bisher maximal in Argentinien bezahlt haben. Extrem teure Region oder sind das typische Preise für die Weihnachts-Ferien?
Entgegen unserer Planung stehen wir am frühen Abend an der argentinischen Grenze und checken notgedrungen aus.
Bis zum chilenischen Posten sind es 22 km und wir haben Glück: im Niemandsland, kurz vor dem Paso de Pino Hachado (1.864m) lacht uns ein ideales Fleckchen an. Wir überlegen kurz, ob es morgen Ärger geben könnte, wenn unser chilenischer Ausreisestempel vom Vortag ist. Dürfte zwar eigentlich kein Problem sein, aber es wäre nicht das erste mal, daß Logik an einer Grenze nicht als Argument nicht anerkannt wird.
Trotz leichter Bedenken entschließen wir uns hier zu campieren. Der Ort ist klasse, die Aussicht super und in Fahrtrichtung kämen wir in kürzester Zeit in ein den ganzen Horizont einnehmendes Unwetter.
S38°38°.572 W070°57.237, 1.597 m
Einziger Wermuts-Tropfen: Herrscharen von bösen Bremsen haben es auf uns abgesehen. Da wird selbst die Mutter Theresa der Tiere zum erbarmungslosen Killer und verkündet im Minutentakt mit Genugtum in der Stimme ihre Todes-Opfer-Bilanz.
Zu guter Letzt werden wir dann mal wieder mit einem erstklassigen Sonneruntergang belohnt. So macht das Krad-Vagabunden-Leben Spaß!
hier geht unsere Geschichte weiter: Argentinien/Chile - Teil 4