40 Tage harte Arbeit
Dies ist kein Kapitel unseres Reisetagebuches im herkömmlichen Sinne.
Diesmal berichte ich nicht von kleinen und großen Abenteuern, von schönen Erlebnissen und Orten und erzähle keine interessanten Anekdoten.
Diesmal gibt es keine Bilder.
Diesmal möchte ich davon erzählen, daß eine Langzeit-Reise harte Arbeit ist.
Viele Leute denken ja, so was wäre wie ein niemals enden wollender Urlaub. Weit gefehlt!
Natürlich erleben wir unendlich viel Schönes und genießen dieses Vagabunden-Leben in vollen Zügen, aber dieser Lebensstil ist ein FULLTIME-JOB!
Bevor ich mit meiner exemplarische Schilderung der Mühen der letzten 40 Tage beginne, noch ein paar allgemeine Worte:
Irgendwas ist immer zu machen: an den Motorrädern, der Ausrüstung oder in Sachen nächste Reise-Etappen. Und da fast nichts davon so einfach zu erledigen ist, wie zu Hause, wird die To-Do-Liste niemals leer.
Wenn ich zu Hause irgendwas benötige, weiß ich in der Regel sofort, wo ich es zu einem guten Preis bekommen kann. Schnell schwinge ich mich in den Sattel oder gehe vielleicht nur mal kurz um die Ecke oder bestelle es gar bequem online und kurze Zeit später habe ich genau das, was ich brauche. Naja, meistens jedenfalls. In der Fremde ist das alles schwieriger.
Da werden aus Kleinigkeiten große Herausforderungen. Da heißt es, sich durchzufragen oder monatelang nach eigentlich selbstverständlichen Dingen wie zum Beispiel schwarzem (!) Panzerband, Silikon- oder Imprägnierspray zu suchen und dafür Dutzende von Geschäften abzuklappern und mit zig Menschen zu sprechen. Da muß manches mal improvisiert oder mit Suboptimalem Vorlieb genommen werden.
Mit zunehmender Reisedauer nehmen diese Notwendigkeiten exponential zu.
Wer für zwei oder drei Wochen mit dem Motorrad auf Reisen geht, kann mit etwas Glück darauf hoffen,daß es weder am Motorrad noch an der Ausrüstung Wesentliches zu reparieren oder zu ersetzen gibt. Selbst bei mehrmonatigen Reisen hat man wenig Probleme, wenn man mit gut gepflegtem Epuipment und neuen Verschleißteilen am Krad startet.
Auch kann man in der Regel vorab und in Ruhe das Gröbste zur Reiseroute planen und die damit verbundenen Formalitäten erledigen. Alles was man in Sachen GPS- und Landkarten sowie Reiseführeren bracht, hat man i.d.R. schon von Anfang an dabei. Kein Streß mehr unterwegs, was diese Dinge angeht.
Zu diesen außerordentlichen Dingen kommen dann noch die alltäglichen Aufgaben:
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Zelt auf- und abbauen
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Gepäck auspacken bzw. morgens wieder aufs Motorrad drauf
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„Lager machen“ = Isomatten aufblasen, Schlafsäcke zusammenmachen, usw.
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Essen kochen auf dem Benzinkocher
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Essen kaufen (das ist manchmal gar nicht so einfach und kostet zumindest immer mehr Zeit als zu Hause, da man ja jeden Tag mit einem anderen Angebot auf einem anders strukturierten Markt oder Supermarkt oder Tante-Emma Laden klarkommen muß
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Planung der nächsten Tagesetappe
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kleine Wartungsarbeiten an den Motorrädern
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Reiseberichte schreiben, Homepage updaten, eMail Korrespondenz, digitale Fotos managen
Vieles von diesen täglichen Aufgaben ist Routine, manches macht sogar Spaß (Routenplanung und Essen kaufen), aber alles braucht viel Zeit. Alleine der Vorgang abends das Zelt und Gepäck abzuladen, das Lager aufzubauen und das ganze retour am nächsten Morgen schlägt trotz Übung mit rund 1,5 Stunden zu Buchen. Selbst wenn man im Hotel schläft muß in der Regel das ganze Gepäck vom Krad runter und bis in die dritte Etage getragen werden (jedes Hotel hebt ein paar Zimmer in der obersten Etage und dort in der hintersten Ecke für Motorradfahrer auf:-))
Doch genug der allgemeinen Worte. Ich gebe Euch mal einen konkreten Einblick, indem ich Euch exemplarisch die kleinen und großen Herausforderungen der letzten 40 Tage schildere. Das Eine oder Andere dürfte dem aufmerksamen Leser unserer Reiseberichte bereits bekannt vorkommen:
1) Das Handbremszylindergehäuse von Simons Transe hat einen Riß. In Deutschland würde man das komplett ersetzen. Gibt es natürlich nur mit allen Anbauteilen und kostet neu 300 EUR – zuzüglich ggf. Versandtkosten und Arbeitlohn. Nächster Schritt: eine Honda-Vertretung finden. Die Jungs dort sind zum Glück bereit, es un-deutsch anzugehen: das Alu-Guss-Gehäuse wird zum Schweißen gebracht und 24 Stunden später ist alles wieder zusammengebaut, die Bremse mit der richtigen (!) Bremsflüssigkeit befüllt und entlüftet. Noch mal Glück gehabt.
2) Das original Öl meines vor kurzem angebauten Scott-Oiler geht zur Neige. Ich hab mich in Foren schlau gemacht, was man sinnvollerweise statt dessen benutzen kann: Plan A: Automatic Transmission Fluid, Plan B: Getriebe-Öl, Plan B: Irgendein Öl. Sollte nicht allzuschwer sein, sowas aufzutreiben und tatsächlich: im ersten schmierigen Lubricante Shop bin ich ohne gemeinsame Sprache aber mit einem kleinen Zettelchen erfolgreich, auf das ich „ATF“ und „SAE90“ geschrieben habe. Beides gibt es dort zu kaufen und ich kann sogar luxuriöserweise die Preise pro Liter vergleichen, nachdem ich sie erfragt habe (Preisschilder sind in Südamerika die Ausnahme). Würde nur alles immer so einfach laufen.
3) Die Hosentaschen meiner Zunfthose sehen aus wie ein schweizer Käse und auch sonst verlangt das olle speckige Ding dringend nach einem Schneider. Simons Motorrad-Hose braucht zudem einen neuen Reisverschluß. Also fragen wir uns zu einem Schneider durch und erklären ihm mit bruchstückhaftem Spanisch und mit viel Gesten, was zu tun ist. Am nächsten Tag sind die Hosen natürlich nicht zur vereinbarten Zeit fertig. Als wir später wieder kommen sind sie zwar „fertig“, aber die Qualität ist vollkommen inakzeptabel. Auch die Nachbesserung ist nicht wirklich eine Verbesserung und so nehmen wir sie notgedrungen so mit.
4) Mein Schermaschinchen ist schon wieder im Arsch. So was passiert natürlich immer, wenn man gerade die Hälfe vom Bart und Haupthaar ab hat und somit total bescheuert ausssieht.
Um von den von Land zu Land verscheidenen Netzspannungen und Steckerformen unabhängig zu sein, sollte das Schermaschinchen idealerweise mit Batterien betrieben werden. Wir haben für alle batteriebetriebenen Geräte Akkus mit, die wir an der Motorrad-12-Volt-Dose aufladen können.
Überhaupt IRGENDEIN Schermaschinchen in diesen Ländern hier zufinden, ist jedoch schon eine Herausforderungen. Daß es mir bei meinem nunmehr vierten Maschinchen für diese Reise gelingt, nach nur einwöchiger Suche ein batteriebetriebenes aufzutreiben, ist ein Glück, das ich kaum glauben kann. Nebenbeibemerkt: nachdem ich nunmehr zwei Dutzend mal im Leben den Verkäufern pantomimisch „Schermaschinchen“ vorgemacht habe, kostet mich das keine Überwindung mehr:-)
4) Es steht schon wieder ein Ölwechsel an. Um uns das Leben ein klein bißchen leichter zu machen, haben wir zu Beginn der Reise an beiden Krädern gleichzeitig einen Ölwechsel gemacht, auch wenn das bei dem einen noch nicht nötig war, so daß die beiden im Folgenden nun immer gleichzeitig fällig sind. Aus Kostengründen und auch weil ich der Arbeitsqualtiät von (südamerikanischen) Werkstätten nicht traue, mache ich Ölwechsel immer selber.
Erster Schritt: Wieder mal einen Honda-Dealer finden. Der Ölfilter ist das gängiste Ersatzteil von Honda (es gibt im Prinzip nur zwei verschiedene für alle Modelle). Trotzdem haben sie keinen auf Lager, was in Mittel- und Südamerika nicht ungewöhnlich ist. Er muß bestellt werden, soll aber wenigstens am nächsten Tag schon da sein. Schritt 2: 10W40 besorgen, was einer Suche nach einer Stecknadel im Heuhaufen gleichkommt. Mineralisches 15W40 will ich aber nicht benutzen, da die Anforderungen in dieser Region an Öl und Motor durch die extremen Temperatur-Unterschiede (nachts zweistellige Minusgrade und entsprechende Start-Temperaturen und tagsüber teilweise weit über 40 Grad) hoch sind. Schritt 3, der der einfachste von allen ist: für 0,25 EUR ne Plastikschüssel zum Auffangen des Altöls auf dem Markt kaufen. Ölwechsel wird wie meistens am Straßenrand durchgeführt und das Altöl verschenke ich an den Besitzer eines alten Pickup, bei dem ich mir nicht sicher bin, wofür er es verwenden wird. Seine Sache.
5) Simons vierteljährliche Zahnbehandlung wegen Parodonthose ist fällig. Es gilt einen Zahnarzt zu finden, diesem zu erklären, welche Behandlung Simon braucht (denn das ist nicht offensichtlich), sich einen Termin geben zu lassen und dann nochmal für die eigentliche Behandlung wiederzukommen. Da Simon das nun zum fünften Mal auf dieser Reise macht, geht die Aktion den Umständen ensprechend leicht von der Hand.
6) Es gibt Probleme mit der Einkommensteuererklärung für 2010. Da ich in dem Jahr nur drei Monate gearbeitet habe und wir dann zu unserer Weltreise aufgebrochen sind, erhoffe ich mir eine fette Rückerstattung, auf die unsere Reisekasse schon sehnsüchtig wartet. Der Brief der Luxembourger Behörde ist an meine deutsche Adresse gegangen, mein Vater hat ihn eingescannt und mir zugemailt. An vier Tagen versuche ich vergeblich per Skype und mit dem Handycap der erheblichen Zeit-Differenz jemanden im Luxembourger Steuermamt ans Telefon zu kriegen. Vergeblich. Es bleibt mir nur der lästige Weg, einen Brief zu schreiben.
7) Der Mechaniker, der vor einigen Wochen in Kolumbien das Lenkkopflager an meiner Transalp gewechselt hat, hat Pfusch gemacht. Das Lager hat nach wenigen Wochen heftiges Spiel – schlimmer als vor der Reparatur. → Honda-Werkstatt suchen, die dann zwar kein ordentliches Werkzeug hat, aber mit Schraubendreher und Hammer die Spannmutter ausreichend weiterschlägt, so daß das Lager wieder spielfrei ist. Leider bleibt dank der Pfuscherei des Typen in Cali dauerhaft eine Lücke, zu der beim oberen Lager trotz regelmäßigem Abschmieren Feuchtigkeit eindringen kann.
8) Von einigen kleinen und mittelschweren Sürzen haben unsere Koffer manche Blessur davon getragen. Bei Simon ist nun einer rund um die Befestigung eingerissen. Wir müssen einen Alu(!)-Schweißer finden, was uns mit Geschick und Hartnäckigkeit gelingt. Das Ergebnis ist, sagen wir mal, „okay“. Aber wir sind froh. überhaupt jemanden aufgetrieben zu haben, der Alu scheißen konnte.
9) Ein paar Häuser weiter finden wir dann direkt noch eine „Fachwerkstatt“, bei der wir einen kompletten Satz abgefahrener Bremsbeläge erneuern lassen können. Bei weitem nicht so gut, wie neue Beläge, aber die sind hier für die Transalps unmöglich zu bekommen und so muß für uns gut genug sein, was für jeden Einheimischen auch gut genug ist.
10) Seit zwei Monaten suchen wir vergeblich nach Imprägnierspray für unsere Motorrajacken und -hosen. Endlich werden wir fündig. Bevor wir ihn benutzen können, müssen die Jacken aber erstmal (ohne Waschpulver) gewaschen werden. Da das in dem Moment nicht möglich ist, bleibt uns nichts anderes übrig, als es später zu machen. Beim Einsprühen zeigt sich dann, daß der sündhaft teure Spray nicht für alle vier Kleidungsstücke reicht. Da wir ja mittlerweile nicht mehr in der Stadt sind, in der wir den Spray gekauft hatte, fangen wir also wieder von vorne mit der Suche nach Imprägnierspray an.
11) Unsere Reisepässe füllen sich viel schneller mit Stempeln als wir es für möglich gehalten hätten. Da wir so auf Dauer nicht nur Ersatz brauchen, sondern wir auch auf der weiteren Reise in Situationen kommen könnten, wo wir einen zweiten Reisepaß nützlich wäre, wollen wir Zweitpässe beantragen. Als erstes gilt es rauszufinden, ob und wie das geht. Dann müssen wir uns überlegen, wo wir uns den Streß antun wollen und für die Beantragung in eine Hauptstadt (mit Botschaft) zu fahren und zu guter letzt noch, wo und wann auf der weiteren Reise wir die Pässe in Empfang nehmen wollen.
Die Mitarbeiterin der Paßstelle der deutschen Botschaft in Lima ist sehr hilfsbereit und kooperativ. Dennoch dauert es viele Tage und braucht es vorab einige eMails bis alles geklärt ist. U.a. gibt es Probleme mit dem Einwohnermeldeamt in Kreuztal, das der Botschaft nur unter total dämlichen und unbegründeten Auflagen erlauben will, mir einen neuen Paß auszustellen.
12) Wir brauchen zwei neue Hinterreifen: 6 Tage kostet uns die Aktion. Und damit meine ich nicht: an Tag eins beim erstbesten Reifen- oder Motorradhändler unsere Wunschreifen bestellt und sie an Tag sechs dort abgeholt. Da war kein Tag ohne daß wir Action in dieser Sache hatten, inklusive Abholung der aus dem Amazonasgebiet per Flugzeug gelieferten Reifen ab einem Sonntag (!) in „Cargo City“ des Flughafens.
13) Wir organisieren ein Päckchen voller Ersatzteile etc., das von Kreuztal an eine Adresse in Braslien geschickt werden soll, wo wir es in sechs bis acht Wochen aufsammeln können.
Alleine der Inhalt des Päckchens wäre für ein halbes Dutzend weitere Punkte in dieser Aufzählung gut. Dazu kommt normalerweise noch die Recherche bzgl. Versandt- und Zollmodalitäten. In manchen Ländern sind nämlich fette Zölle fällig, dürfen manche Dinge gar nicht eingeführt werden oder bleiben Päckchen grundsätzlich im Zoll der Hauptstadt hängen, wo sie der Empfänger dann mühsam abholen muß (und manchmal dafür auch noch ordentlich Schmiergeld zahlen). In diesem Falle hat uns Thorsten, an dessen Adresse in Brasilien wir das Päckchen schicken werden, alle nötigen Infos mundgerecht geliefert.
14) Ein Päckchen von Deutschland in jedes beliebige Land der Welt kostet 15,90 mit DHL. Da sollte es in die andere Richtung nicht viel mehr kosten. Sollte man meinen. In Peru will DHL von uns stolze 240 EUR für genau diese Dienstleistung haben. Wir werden also nach einer anderen Lösungen suchen müssen, um mal wieder USB-Sticks mit Datensicherungen (überwiegend Fotos), Briefen und einigen überzähligen Sachen nach Deutschland zu schicken.
15) Simon hat akute Kariesprobleme. Der erste Zahnarzt ist ein Pfuscher und verlangt auch noch eine horrende Gage dafür. Zahnärztin Nummer zwei darf dann alles wieder in Orndung bringen und noch ein paar Löcher mehr kurieren.
16) Wegen nicht enden wollendem Durchfall muß auch ich zum Doc. Der schickt mich erstmal ins Labor zur Untersuchung. Endergebnis und Siegerehrung: Salmonellen und gleichzeitig eine Darmentzündung. Nichts Spektakuläres auf einer Langzeitreise durch dritte-Welt-Länder, aber dennoch unangenehm. In der Folge werd ich auf Suppendiät gesetzt, die u.a. eine logistische Herausforderung bei unserem Reisestil darstellt.
17) All diese Arztkosten müssen in ein Formular eingetragen werden (das man erst mal downloaden, auf einen USB-Stick speichern und dann in einem Copyshop ausdrucken lassen muß) und mit den Belegen zusammen bei der deutschen Auslandskrankenversicherung innerhalb von sechs Wochen einreichen muß. Rückfragen und Diskussionen sind erfahrungsgemäß schon vorprogammiert.
18) Simon sucht sich in Cuzco eine Sprachschule, wo sie eine Woche lang jeden Morgen vier Stunden Unterricht hat und jeden Nachmittag Hausaufgaben machen muß.
19) Unser MSR-Benzin-Kocher ist im Arsch. Ähnlich dem Schermaschinchen ist er natürlich im unpassendsten Moment kaputt gegangen. Mehrfach zerlege ich den Brenner und die Pumpe und reinige beides. Erfolglos. Im nächsten Schritt spreche ich tagelang jeden anderen Reisenden an, ob er vielleich das gleiche Modell hat, in der Hoffnung die einzelnen Bauteile austauschen und so den Fehler genauer lokalisieren zu können. Erfolglos. Am Ende klappern wir 30 Outdoorshops in der Touristenmetropole Cuzco ab (mehr, als es in ganz Mittelamerika gibt). Leider haben alle nur einen einzigen Kocher: einen der mit Gas-Kartuschen arbeitet. Nur einer hat einen MSR-BENZIN-Kocher, den wir dann mangels Alternative zum stolzen Importpreis erstehen. Immerhin ist damit das schwierige Problem, einen neuen Benzinkocher aufzutreiben, schon nach 10 Tagen gelöst.
20) 1&1, mein Homepage-Provider hat mal wieder technische Probleme. Diesmal hat es unsere Homepage so schlimm zerschossen, daß ich als Anwender die Fehler nicht korrigieren kann. Es sind unzählige eMails mit diesem reaktions-lahmen und inkompetenten Help-Desk nötig, bis unsere Internetseite nach fast zwei Wochen endlich wieder in Ordnung ist.
21) Der nächste eingescannte Brief erreicht mich von zu Hause. Die deutsche Rentenanstalt, die durch meine einmonatige Arbeitslosigkeit vor der Abfahrt aufgeweckt wurde, möchte SOFORT gewisse Belege zu meiner Zeit als ich in Luxembourg gearbeitet habe. Besagte Belege sind natürlich irgendwo tief in Umzugskartons in Kreuztal vergraben.
22) Die GPS-Karte für Peru ist schrott. Knapp 2 Stunden Arbeit, bis ich eine neue auf dem GPS habe. Zum Glück nicht mehr Aufwand, weil ich die Quelle mundgerecht von einem Freund (Weggu) geliefert bekam.
23) Simon kauft sich eine neue Kopflampe. Leichte Übung. Hoffentlich hält diese hier länger als die letzte.
24) Das Stirnband für meine kleine Stab-Taschenlampe ist total ausgeleiert. Mit Gesten erkläre ich einem Schneider, was ich haben will und er macht es genauso – ganz fix und für kleines Geld.
25) Das GPS macht Probleme: es „verliert“ gelegentlich die Micro-SD-Karte. Dann fahre ich von einem Moment auf den nächsten plötzlich mit der World-Map, das heißt praktisch ohne Straßen. Dann heißt es anhalten, GPS abnehmen, Akkudeckel öffnen, Akku entnehmen, um an den SD-Slot zu kommen, Micro-SD-Karte entnehmen und wieder einsetzen und alles wieder zusammenbauen. Meistens erkennt das Garmin-GPS danach die SD-Karte und es kann weitergehen.
Fehleranalyse: Entweder ein Softwareproblem der GPS-Karte (unwahrscheinlich bei dem Fehlerbild) oder ein Hard- oder Softwarefehler des GPS (am wahrscheinlichsten - leider aber auch die Variante, an der ich fast nichts ändern kann). Die einfachste Möglichkeit wäre ein Hardwarefehler der SD-Karte. Also kopiere ich die GPS-Karte auf eine andere SD-Karte und hoffe. Nach zwei Tagen schmiert auch die ab. Weiter geht die Fehlersuche...
26) Ganz nebenbei stecken wir noch unzählige Stunden in die Planung unserer nächsten Etappen, da wir gerade in einem Gebiet sind, in dem man aus diversen Gründen nicht einfach drauflosfährt, sondern intensiv planen und recherchieren muß. U.a. wollten wir eigentlich durch eine Region in Peru, die durch Straßenblockaden unpassierbar geworden ist. Wochenlang hatte ein besoffener steinewerfender Mopp die Kontrolle. Die Polizei zog sich aus dem Gebiet zurück. Es gab Tote. Selbst Krankenwagen wurden nicht durchgelassen. Eine verletzte Frau starb deshalb in einem Rettungswagen. Dann plötzlich die Meldung, das Militär hätte endlich die Kontrolle übernommen und man könne wieder durch. Morgen kann schon wieder alles anders aussehen oder die nächste (Natur-)katastrophe unsere Route beeinflussen.
All diese kleinen und größeren Herausforderungen hatten wir in 40 Tagen zu meistern. Dazu kam noch, daß sowohl Simon als auch ich einen bzw. viele Tage magen-/darmkrank darniederlagen. Wie wir es dabei noch geschafft haben, viele Tausend Kilometer Krad zu fahren und einige kleine und große Abenteuer zu erleben, kann ich mir im Rückblick nur noch schwerlich vorstellen.
Normal ist das hier zugegebenermaßen nicht.
Auch wenn ich glaube, daß die Aufwände für Reparturen und Ersatzbeschaffungen mit der Reisedauer weiter zunehmen werden, so hoffe ich doch, daß diese Serie hier außergewöhnlich war und die Schlagzahl zumindest wieder ein bißchen runter geht in nächster Zukunft.
Hinter all den Punkten, die ich mit „wenigen“ Worten beschrieben habe, stecken oftmals stunden-, tage- oder gar wochelange Aufwände und Mühen.
In der Regel macht speziell mir die strategische und logistische Herausforderung sogar großen Spaß.
Aber manchmal kotzt es einen auch einfach nur an. Manchmal belastet es einen, daß man drängende Probleme nicht ad hoc erledigt bekommt und sie gedanklich mitschleppen muß. Vor allem mir gelingt es dann oft nicht, die kleinen und größeren Problemchen einfach auszublenden, damit man das Schöne, das man gerade erlebt, in vollen Zügen genießen kann.
Und gäbe es nicht all die netten Menschen, die einem unterwegs in unterschiedlichem Maße helfen würden und das großartige Unterstützungs-Team in der Heimat, dann wären all diese Problemchen plötzlich viel größere Probleme und manche von ihnen vielleicht sogar (fast) unlösbar.
DANKE!
hier geht unsere Geschichte weiter: Machu Picchu, Heiliges Tal