Panama - April 2011

In Panama legen wir einen Fehlstart hin: 10 km hinter der Grenze werden wir an einer Polizei-Kontroll-Stelle angehalten. Angeblich fehlt uns ein Stempel auf dem Fahrzeug-Permit. Entgegen anfänglicher Befürchtung will der Cop mit der Masche kein Bakschisch rausschlagen, sondern meint es ernst. Während wir in der stechenden Sonne schmoren, telefoniert er für uns rum, so daß wir schon erwartet werden, als wir ziemlich frustriert ein Weile später wieder bei der Grenze vorfahren. Nachdem unser Gepäck nun noch durchsucht worden ist, bekommen wir besagten letzten Stempel und fahren zum zweiten mal die gleichen ersten Kilometer nach Panama rein.

Leider verfolgt uns an diesem Tag das Pech: mir „platzt“ der Reifen bei 90 km/h auf der Überholspur einer mehrspurigen Schnellstraße. Der Reifen faltet sich schlagartig zusammen, das Rad eiert und hüpft und ich komme übel ins Schleudern. Der reinste Rodeo-Ritt! Ich glaube in diesen adrenalin-schwangeren Momenten ehrlich gesagt nicht daran, daß ich mein Krad heil zum stehen bekommen werde. Irgendwie gelingt es mir dann doch, mühsam auf dem Mittelstreifen auszurollen, während ich teilweise schon auf der Felge fahre.

Ich könnt kotzen: das ist der zweite Platte innerhalb von wenigen Tagen.
Der Reifen sitz so schief, daß ich das Motorrad weder geschoben, noch gefahren bekomme.
Mir bleibt nichts anderes übrig, als auf dem Mittelstreifen bei brütender Hitze den Reifen zu wechseln.

Der Übertäter ist schnell gefunden. Ein fetter Splint hat den Schlauch regelrecht aufgeschlitzt. Flicken ist da beim besten Willen nicht mehr möglich. Ich bin froh, daß ich mir vor einigen Tagen, als ich mir den neuen Schlauch besorgt habe, direkt wieder einen auf Reserve bekauft habe.
Dank zunehmender Übung geht der Wechsel schon viel fixer von der Hand.
Erfreuliches Randerlebnis: es halten dreimal panamesische Autofahrer und fragen, ob sie helfen können. Sehr symphatisch!

Basti hatte uns vor unserer Abreise noch ans Herz gelegt, unbedingt bei zwei kölner Freunden in Panama vorbeizufahren.
Ein guter Tip, wie sich herausstellt: Mo und Dirk haben am Golf von Chiriquí eine Strandbar.
Die beiden entpuppen sich als super nett und trinkfest.
Wir verbringen eine relaxten Tag und zwei lustige Abende dort, bevor wir uns in Richtung Hauptstadt aufmachen.

Auf der „Bridge of the Americas“ geht es über den Panamakanal!
Wir freuen uns schon darauf, in den nächsten Tagen den Kanal genauer anzuschauen.
Erst einmal müssen wir jedoch ein Quartier in Panama City finden.

Das ist nicht so einfach, da mein Navi für Panama nur Fernstraßen und somit keine Straßen in der Stadt kennt und wir zudem keine ordentliche Karte haben. Wir kommen ganz schön ins Schwitzen, bis wir endlich vor unserem Wunschhotel stehen, zumal der Verkehr in der Stadt sehr viel dichter und gnadenloser ist, als auf diesem Foto.
Nach einem ersten Erkundungs-Spaziergang durch die Stadt, sind wir beeindruckt: Downtown ist eine Banken-Metropole, gegen die Frankfurt wie ein Dorf wirkt.

Aber auch hier ist die Schattenseite allgegenwärtig.
Man muß nicht erst in schlechte Viertel gehen, um sie zu entdecken: Alle Häuser sind massiv gesichert.
Jedes Fenster und jeder Balkon ist festungsartig mit Gittern gesichert.
Ziemlich deprimierend!

Freitags sind wir früh auf und marschieren am Ufer entlang nach San Felipe - der Altstadt von Panama City. Zwei Drittel aller Gebäude sind hier Ruinen. Aber das Viertel ist offensichtlich im Umbruch. Restaurierungsarbeiten sind überall im Gange und ein Drittel der Häuser ist bereits luxuriös wieder hergerichtet. In einigen Jahren dürfte dieses Viertel ein ganz anderes Gesicht haben und viel von seinem Charme eingebüßt haben.
Am Wochenende soll ein Motorrad-Treffen in der Stadt sein. Naja, sowas ähnliches wie ein Motorrad-Treffen.
Schon der freitägliche Auftakt macht uns klar, daß unsere Hoffnung, auf einer großen Wiese zelten zu können und bierdosentrinkend Kontakt zu Einheimischen schließen zu können, enttäuscht werden. Das hier ist ein ganz anderer Stil: hat eher was von nem HOG-Treffen.
Wir amüsieren uns über die Poser, die zum Bikewash bei Hooters vorfahren.

Andere Länder, andere Sitte.
Oder sollte man in diesem Falle besser von anderem Niveau sprechen?
Dieser Bandidos Prospect würde in Deutschland für seinen niedlichen Rucksack, den er ÜBER der Kutte trug, wahrscheinlich seinen Anwärter-Status verlieren!

Mo und Dirk sind an diesem Wochenende zufällig auch in der Stadt und wir nutzen die Gelegenheit, mit den beiden nochmal auf ein paar Bierchen zu treffen.
Dank der beiden „Insider“ landen wir in einer coolen Kneipe, deren Optik stark an ein besetztes Haus erinnert.
Ein Ambiente, in dem wir uns wohl fühlen!

Shaun hatte sich dolle bei ADV für mich in Sachen Simmerring-Beschaffung ins Zeug gelegt und so ist es Ehrensache, ihm einen Besuch abzustatten und mich persönlich zu bedanken.
Er betreibt seit einem Monat ein Guesthouse für Motorrad- und 4x4-Fernreisende:
Sehr cooles Projekt: hier hat sich jemand wirklich Gedanken gemacht, was motorisierte Globetrotter brauchen: neben den üblichen Annehmlichkeiten gibt es einen Carport, unter dem man im Schatten oder je nach Wetter im Trockenen selber schrauben kann. Außerdem hat Shaun alle möglichen Partner mit entsprechenden GPS-Koordinaten parat: z.B. einen Motorrad-Reifen-Händler, eine Motorrad-Werkstatt, die auf Einspritzer „spezialisiert“ ist, einen Alu(!)-Schweiß-Betrieb und vieles mehr.
Was super angenehm ist: Keine jugendlichen Backpacker. Alle andere Gäste hier sind nämlich auch per Motorrad oder mit zweispurigen Off-Road-Fahrzeug unterwegs. Es gibt viel zu erzählen und haufenweise Informationen auszutauschen.

Als wir angekommen, ist die Bengs-“Bande“ schon da. Diesmal freuen wir uns besonders, unsere sächsische Family zu sehen, denn Thomas hat ein heißbegehrtes Teil für mich dabei. Die Vier mußten letztes Jahr wenige Tage vor Ihrem Reisestart von den Motorrädern aufs Auto umsatteln und in der Hektik sind ein paar Sachen mit auf Reisen gegangen, die man eigentlich nicht bräuchte. So fährt Thomas seit vielen Monaten einen Simmerring für seine F650GS spazieren, der laut Polo-Datenbank bei mir passen müßte. Einer meiner Simmerringe leckt ja seit ein paar Wochen massiv und es gab weder in Costa Rica noch in Panama einen mit weniger als zwei Wochen Lieferzeit zu bekommen. Da kam Thomas Angebot, mir seinen zu überlassen, sehr gelegen.

Mit vereinten Kräften gelingt dann auch der Austausch des Simmerrings, wobei ich sagen muß: ohne Thomas unerschütterlichen Optimismus hätte ich auf halber Strecke fast aufgegeben.
Es ist über zwanzig Jahre her, daß ich das letzte Mal einen Simmering gewechselt habe und es gab zwei Momente, wo drei Spezialisiten mit großen Fragezeichen im Gesicht runstanden und sich nicht sicher waren, ob man etwas mehr als leichte Gewalt anwenden müsse, um weiterzukommen.

Wir machen einen 2-Tage-Ausflug an die Karibik-Küste. Die Schleusen von Gatun sind wirklich MÄCHTIG! Das ganze Bauwerk Panama-Kanal beeindruckt uns sehr! Weit über 20.000 Menschen mußten ihr Leben lassen, bis diese enorme Abkürzung zwischen Atlantik und Pazifik geschaffen war. Der Vorteil ist für die Schiffe so immens, daß große Kontainerschiffe, wie die auf dem Bild, 250 bis 300.000 USD für eine Durchfahrt zahlen.

Die nächste Station ist das Fort San Lorenzo.
Wir haben ein bißchen Schwierigkeiten, das Fort, das nörd-östlich der Gatun-Schleusen liegt, zu finden.
Die Lage ist spektakulär: wahlweise blickt man auf eine schöne Bucht, die offene See oder die Mündung des Rio Chagres.

Es ist so schön hier, daß wir spontan beschließen, zu bleiben.
Der Wächter hat nichts dagegen, daß wir hier campen, solange wir das nicht im Fort selber machen.

Wir sind uns einig: das ist einer der schönsten Zeltpätze, wenn nicht gar der schönste,, den wir in Mittelamerika hatten!
Später werden wir dann noch mit einem tollen Vollmond belohnt, der die Ruinen in gespenstisches Licht taucht!
Am nächsten Tag sind wir wie immer sehr früh auf und genießen nochmal die Wahnsinns-Aussicht bei einem selbstgekochten Kaffee.
Weiter geht es entlang der Karibik-Küste nach Portobello, wo wir mit Blick auf die im Wasser schaukelnden Boote ein feines Picknick haben. Unser Tages-Ziel liegt jedoch einige Kilometer weiter in der Nähe von Puerto Lindo: das Hostel Wunderbar, das von zwei Deutschen betrieben wird. Neben dem eigenen Segelschiff, mit dem sie Überfahrten für Motorradfahrer nach Kolumbien anbieten, vermitteln sie auch noch Passagen auf einer Reihe anderer Segelschiffe. Diesen beliebten Anlaufpunkt für Motorradfahrer wollen wir uns mal annschauen. Als wir dort sind, sind wir aber enttäuscht: Irgendwie hatten wir fest angenommen, daß das Hostel Wunderbar direkt am Strand liegt. Da es vier Kilometer vom Wasser weg ist und uns die Doppelzimmer, die nur durch einen eher symbolischen Sichtschutz vom Schlafsaal abgetrennt sind, für den saftigen Preis echt nicht vom Hocker hauen, beschließen wir spontan, noch am gleichen Tag nach Panama City zurück zu fahren.
Als wir wieder bei Panama Passage ankommen, ist die Bude brechend voll: neben der Bengs-Bande und Chrige und Weggu, zwei Schweizern, die wir vor kurzem kennen gelernt haben, sind mittlerweile auch noch vier Motorrad-Fahrer angekommen, die gerade von Kolumbien mit Fritz-the-Cat rüber gekommen sind. Ein Glücksfall für uns, wo wir doch in zwei Tagen selber mit Fritz in die andere Richtung fahren wollen und so erstklassige Infos brühwarm serviert bekommen.