Guatemala - Teil 7 - März 2011

Hunde-Asyl (Simon)

Der Text stammt diesmal von Simon!

 

Mit gemischten Gefühlen trete ich die Reise nach Sumpango an. Sind doch gerade jetzt Andi und Susanne in Antigua angekommen und es wäre ganz lustig, mit ihnen noch ein bißchen Zeit zu verbringen.

Als wir dann dort vor dem Tor von AWARE stehen, bin ich jedoch positiv überrascht von dem weitläufigen von Bäumen beschatteten Gelände.

Toni, ein Volunteer aus Dänemark, öffnet uns das Tor und ist ganz überrascht von meiner Ankunft, hat doch keiner mit einer Neuen gerechnet und das Haus mit drei Betten ist derzeit voll belegt:

Toni, Christine aus den USA und Anna aus Österreich.

Also werde ich erstmal herumgeführt und später zur Klinik gebracht, wo es noch ein Bett im Zimmer von Lchatia aus Guate gibt, die hier fest angestellt ist. Nicht der schlechteste Deal, denn sie ist nur drei Nächte die Woche hier und somit habe ich fast mein eigenes Zimmer.

Die erste Nacht schlafe ich ganz gut, was daran liegt, daß ich schon um fünf mit Anna anfange, Rum-Cola zu trinken und vor lauter Aufregung vergesse auch das Essen mal wieder. Nicht mal die drei Katzen, die mit mir hier schlafen, können meinen rumbedingten Tiefschlaft in dieser Nacht stören.

Eine wahre Freude: vier Käfige mit insgesamt elf Welpen, die hier in der Klinik aufgepäppelt werden, mit einem mittelschweren Kater von stellenweise zentimeter-tiefer Hunde-Baby-Kacke mit chremiger Konsistenz zu befreien, zumal man mit dem Kopf und Oberkörper tief in die Transportkisten, die hier als Käfige gestapelt werden, eintauchen muß. Alle erwachsenen Hunde müssen auch dringend nach draußen, um ihr Geschäft zu verrichten. Wer am lautesten jault, kommt zuerst dran. Medizin muß verabreicht werden, für die alten Hunde Schmerztabletten, alle haben Hunger und wollen möglichst ein bißchen Zuneigung und Streicheleinheiten abkriegen.

Und wenn man denkt, jetzt sei man durch mit allen 20 Hunden in der Klinik, stehen die ersten schon wieder in ihrer Scheiße. Danach würden gerne die Hunde in den Zwingern, mit denen keiner der Angestellten spazieren geht, bewegt werden. Fünf Angestellt sind dafür zuständig, daß die Zwinger und die Wege gesäubert werden, Futter verteilt wird und die meisten der Hunde wenigstens einen Spaziergang am Tag über das Gelände machen können.

 

Nachts gibt es zwei Heulperioden, nach denen man die Uhr stellen könnte, so pünktlich beginnen und enden sie für die hier lebenden 300 Hunde. Ein seltsames ohrenbetäubendes Phänomen, das dem guten Schlaf nicht gerade zuträglich ist und ganz schön an meinem Nervenkostüm zehrt. Meine Nacht ist um fünf auch immer beendet, denn pünktlich zur Dämmerung, wird ein gigantisches Kläffkonzert gestartet um den Tag zu begrüßen.

Als eine Familie, drei Kinder und der Vater, am Tor stehen und ihren sieben Monate alten Labrodor-Mischling abgeben, verliere ich die Haltung und die Tränen kullern mir über die Wangen. Wie können sie nur so grausam sein? Der Hund liebt sie offensichtlich und daß er herumstreunert und den Müll durchwühlt, liegt nur daran, daß er zu Hause nichts außer Tortillas zu fressen bekommt. Aber Xenii, die das Tier-Asyls seit mehr als 20 Jahren betreibt, scheitert mit ihren Aufklärungsversuchen.

 

 

 

 

 

Weitere Tränen vergieße ich beim Tod einer meiner Welpen, der innerhalb von Stunden von Würmern im Magen dahingerafft wird und als wir Pitufo, eine Seele von Hund, einschläfern müssen.

Die letzten beiden Tage und Nächte kämpfe ich um´s Überleben von Piko, dem Zwerg aus dem Riesen-Wurf von zwölf Welpen, dessen Schwester es so schnell dahin gerafft hat. Inzwischen kann ich ihm Flüssigkeit unter die Haut spritzen, um ihn vor dem Austrocknen zu bewahren, Tee gegen die Würmer, High-Energy-Nahrung und Elektrolyte-Lösung mit Spritzen oral zwangsverabreichen, was alle zwei Stunden wiederholt werden muß.

Am Sonntag, meinem letzter Tag, ist Sterilisations- und Kastrations-Aktion! Im Akkord operieren drei Tierärzte und ihre Assistenten Hunde und Katzen. 40 Tiere schaffen sie an diesem Tag. Ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein, aber eine großartige Leistung. Ich assistiere und säuber das OP-Besteck von Blut und Organ-Resten, lege es in Sterilisations-Lösung ein, um es den Ärzten wieder an ihren Arbeitstisch zu bringen, wo schon der nächste Patient betäubt und fixiert bereit liegt.

 

[Anmerkung der Redaktion: die nächsten Bilder sind nicht für Kinder und Männer geeignet!]

Von 10 bis 16 Uhr Operationen am laufenden Band. Danach wird der arme kleine Pitufo nach einer Henkersmahlzeit und eines Stückes Pizza und einer Avokado als Nachtisch, in den Hunde-Himmel geschickt und von seinen unheilbaren Qualen erlöst.

 

Ganz schön harte zwei Wochen mit wenig Nachtruhe und einer leider nur eiskalten Dusche an den bitterkalten Abenden! Aber ich würde es wieder machen!

 

Wie viele der gequälten Hunde-Seelen doch aufgetaut sind in der Zeit und mir ihr Vertrauen und Zuneigung geschenkt haben, macht doch vieles wett. Am liebsten hätte ich einige direkt adoptiert (z.B. Elvis) und mitgenommen, was ja leider nicht möglich ist.

Vielleicht eines Tages...

Wer sich das Ganze mal anschauen möchte: http://www.animalaware.org/

 

 

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