Darien Gap - Ende April 2011
Zwischen Panama und Kolumbien weist die Panamericana eine Lücke auf: den Darien Gap, ein ca. 100 km langes straßenloses Dschungel-Gebiet, durch das es für eine normale Reiseenduro mit Gepäck kein Durchkommen gibt.
Mensch und Motorrad müssen entweder per Schiff oder Flugzeug rüber.
Wir haben für unsere Überfahrt Fritz-the-Cat, einen Katamaran, der einem Österreicher gehört, gewählt.
Fast bis zur letzten Minute sind wir unentschieden, ob wir diese Variante wählen sollen. Viele sachliche Argumente sprechen für den Flugzeug-Transport, bzw. gegen die Schiffs-Passage. Und wenn schon Segelschiff, dann wäre uns die Stahlratte am liebsten. Doch die ist gerade auf einem sechswöchigen Turn durch die Karibik.
TAG 1
Um 7 Uhr morgens verabschieden wir uns von der Bengs-Bande und von Shaun von Panama Passage.
Schlechter Start: wir können die richtige Ausfallstraße nicht finden! Nirgendwo sonst haben wir uns so oft verfahren, wie in Panama City! Besonders ärgerlich: das kostet dann auch noch immer zig mal Maut!
Es dauert eine volle Stunde, bis wir endlich halbwegs aus der Stadt raus und Richtung Osten auf der CA1 unterwegs sind.
Irgendwann biegen wir dann von der Panamaricana nach Norden ab: die letzten 35 km bis Carti sind der Hammer: hoch, runter, links, rechts! Keine 10 Meter geht es gerade aus. Eine solche Achterbahnstrecke bin ich in meinem Leben noch nicht gefahren! Eine der besten Straßen Mittelamerikas und ganz sicher die beste Straße Panamas! Alles nagelneuer Teer. Vorbei sind die Zeiten, als diese Strecke ein Schlamm-Alptraum mit steilen Schlitterpartien und Flußdurchfahrten und anderen Hindernissen war.
Dieser Rollercoaster-Ritt macht so viel Spaß, daß wir mit einem breiten Grinsen am Maut-Häuschen der Kunas vorfahren. So heißen die Indianer, in deren autonomen Gebiet Carti liegt, von wo unsere Schiffsreise starten soll.

Die Kuna sind ein kriegerisches Volk, das der Arme von Panama solange brutal zugesetzt hat, bis die Regierung klein beigegeben hat und sie ihr autonomes Gebiet erhielten. Wir haben einige Geschichten über sie gehört, die uns einen gehörigen Respekt einflösen. Für Europäische Verhältnisse befremdlich: das Hakenkreuz in der ursprünglichen (indischen) Form auf der Revolutions-Flagge der Kunas. Zu gerne hätte ich erfahren, was es damit auf sich hat.
Am Schlagbaum wollen die Kuna uns jedoch nicht massakrieren, sondern nur abkassieren. Wir müssen uns beherrschen, um nicht loszulachen. Jeder hat eine andere Meinung, wieviel zwei Motorräder kosten sollen. Von 6 bis 11 Dollar reicht das Eröffnungsgebot. Am Ende zahlen wir 3 Dollar pro Person/Krad.

Kurz vor Carti kommt dann nochmal eine Militär-Kontrolle, die aber locker ist und wenige Momente später stehen wir verwirrt am Wasser. Wo ist die Stadt? Carti besteht offensichtlich nur aus einem betonierten Landungssteg, zwei Häusern und einem Parkplatz.
Wir entdecken den Katamaran Fritz-the-Cat ca. 100 Meter vom Strand entfernt vor Anker und stellen unsere Motorräder gut sichtbar und so nah wie möglich zum Schiff ab: auf dem Foto kann man das Boot zwischen meinem Helm und der Palme erkennen.
Es ist 10 Uhr. Eine Stunde bis zum vereinbarten Termin. Nichts rührt sich auf dem Boot. Es ist brütend heiß. Wir frühstücken und warten. Und warten. Ich sprühe die Motorräder großzügig mit WD40 ein, um sie vor der Salz-Gischt bei der Überfahrt zu schützen. Und dann warten wir weiter. Und warten. Nichts tut sich.
Nach zwei Stunden scheint man bei Fritz-the-Cat aktiv zu werden. Leider setzt sich der Katamaran nicht in Bewegung, sondern irgendwer macht sich am Außenborder des Schlauchbotes zu schaffen. Der scheint nicht zu funktionieren. Doch was hat das mit uns zu tun? Wir sollen ja schließlich direkt auf den Katamaran verladen werden, der dafür endlich mal am Steg anlegen müßte.
Nach dreieinhalb Stunden Warten in der prallen Sonne ist es endlich so weit: Fritz-the-Cat geht am Kai längstseits.
Wie sich nachher rausstellt, haben die uns bzw. unsere Motorräder MIT FERNGLAS nicht gesehen und sich gewundert, wo wir bleiben und deshalb ihren Ankerplatz nicht verlassen. Wie das möglich ist, ist mir echt schleierhaft!
Bevor wir unsere Motorräder endlich verladen können, knöpfen uns die Kuna nochmal 5 USD Hafengebühr pro Krad ab!
Als Fritz und seine ansonsten sehr nette Frau dann beim Gepäck abrödeln und Verladen noch drängeln, pocht meine Halsschlagader: an uns liegt es schließlich nicht, daß wir so spät dran sind. WIR waren pünktlich!

Zum Glück müssen wir die Motorräder nicht mit kleinen Booten zum Katamaran bringen, sondern können sie über eine Planke an Bord zu schieben.
Das macht ein Hüne von Kerl, der sich als Rolli vorstellt.

Unter meinem kritischen Blick macht er die Motorräder fest: erstklassig, wie ich sagen muß. Ich bin schon Dutzende Male mit See-Fähren und Schiffen gefahren und war noch nie mit der Befestigung der Motorräder ganz zufrieden. Aber so sicher und motorrad-schonend wie hier wurde mein Krad noch nie fest gemacht!
Fritz, der Besizter und Kapitän von Fritz-the-Cat macht noch ein paar flotte Sprüche, kassiert unsere Kohle ab (die man bar bezahlen muß, was echt lästig ist und für manch Einen schon zu großen Problemen geführt hat, weil sein Limit kurzfristig nicht ausreichte) und verläßt dann zu unserer Überraschung mit seiner Frau das Schiff.
Es stellt sich heraus, daß Rolli der amtierende Kapitän auf unserer Fahrt sein wird - unterstützt von José, dem einzigen „Matrosen“, der gleichzeitig auch der Koch ist.
Rolli entpuppt sich als super-netter Österreicher, der selbst schon fünf oder sechs Jahre per Krad die Americas mit Schwerpunkt Südamerika bereist hat. Simon und ich verbringen abwechselnd viele Stunden im Gespräch mit diesem interessanten und relaxten Kerl, der neben vielen anderen coolen Sachen, die er schon im Leben gemacht hat, auch ein paar Jahre auf der Stahlratte gefahren ist.
Am ersten Tag kommen wir nicht mehr weit. Wir ankern in der Nähe einiger Inseln des San Blas Archipels. Uns bietet sich ein kaum zu übertreffendes Karibik-Szenario im Sonnenuntergang.
Wir lassen den ersten Tag Revue passieren und kommen zu dem Schluß, daß wir es trotz der langen Wartezeit am Mittag ziemlich gut getroffen haben!
TAG 2

Das Frühstück kann sich sehen lassen: selbstgebackenes Schwarzbrot + Käse, Wurst, Rührei, Marmelade, Erdnußbutter, Obst, Gemüse, Kaffee und Tee! Nicht schlecht!
Mit der Qualität und der Anzahl der Mahlzeiten (Frühstück, Mittag- und Abendessen) hatte Fritz schon vorab massiv geworben. Und ich muß sagen: unter den Umständen, sprich in einer kleinen Kombüse zubereitet, können sich die Mahlzeiten echt sehen lassen: José ist ein guter Koch und ganz nebenbei genau wie Rolli ein lockerer netter Typ.
Auf dem Foto sind übrigens nur 9 der 15 Passagiere zu sehen. Wenn alle zum Essen kommen, ist es eng unter dem Sonnen-Schutz.

Die Morgen-Wäsche besteht aus einem Sprung in die warme karibische See.

Wer Lust hat, kann anschließend mit Rolli per Schlauchboot auf eine der von den Kunas bewohnte Insel fahren, um Vorräte zu besorgen. Ein interessantes Erlebnis. Wir stellen uns vor, wie es auf diesem Inselchen zu gehen muß, wenn die Kreuzschiff-Horden hier einfallen. Am Tag zuvor haben wir zwei der großen „Dampfer“ in der Nähe gesehen. Die Kunas müssen sich dann wie im Zoo fühlen.
Eigentlich sollte heute Morgen die Emmigration aus Panama beim Grenzposten eines der Inselchen erfolgen. Die Jungs überraschen uns aber um 8.00 Uhr morgens: von ihrem Bötchen aus verkünden sie, daß sie jetzte (Karfreitag, 8.00) in die Osterferien fahren und geben uns die Telefonnummern zweier anderer ähnlicher Insel-Außenposten, die noch aufhaben sollen.
Da Ostern DAS Fest in Mittelamerika ist und die Osterwoche DIE Reisewoche, bin ich sehr skeptisch und umso erfreuter, als später die Ausreise tatsächlich klappt.
Rolli fährt mit unseren Pässen per Schlauchboot hin und kommt mit Ausreisestempeln im Paß zurück. Auch unser separates Permit haben die Grenzer abgestempelt, obwohl sie nichts mit dem Zoll zu tun haben und der Stempel somit wenig Bedeutung hat. Ich schätze, daß es bestimmt Ärger gäbe, würden wir nochmal mit diesem Reisepaß nach Panama einreisen wollen: er weist einen Fahrzeug-Importstempel auf, hat aber keinen zugehörigen Ausfuhrstempel. Für alle, die Ihr Fahrzeug in Panama zurücklassen wollen oder müssen, ist das allerdings die perfekte Methode um ohne Motorrad das Land zu verlassen.

Im Laufe des Tage wechseln wir noch an einen anderen traumhaften Ankerplatz, an dem man fein schwimmen und schnorcheln kann.
TAG 3

Nachdem man sich morgens nochmal im Wasser vergnügen konnte, geht es weiter zur nächsten Karibik-Postkarten-Idylle. Das Riff hier ist erste Klasse zum schnorcheln!
Ich hab mein persönliches Super-Erlebnis: plötzlich bin ich nur noch wenige Meter von einem bestimmt 1,50 Meter langen Hai entfernt! Mir schlägt das Herz bis zum Hals! Kurz zuvor hab ich mir den Finger aufgerissen. ICH BLUTE! Das muß der Hai doch riechen! Gleich wird er wie in den populären Filmen meiner Jungend auf mich losgehen! Ich erstarre zur Bewegungslosigkeit in der sinnlosen Hoffnung, das könnte einen Unterschied machen.
Entweder ist der Kollege satt oder was noch wahrscheinlicher ist: er frißt keine Pannys!
Meine Knie sind jedenfalls noch ganz weich, als ich wieder an Bord kletter. Nachdem ich die Geschichte zwei-, dreimal erzählt habe, fühle ich mich schon V ERDAMMT heldenhaft und beschließe, daß ich bei nächster Gelegenheit mit einem Hai-Tattoo diesen heroischen Moment meines Lebens dokumentieren sollte:-)

Gegen 16.00 Uhr lichten wir Anker und nehmen das letzte Stück über die offenen See Richtung Cartagena/Kolumbien in Angriff. Dieser Abschnitt soll ca. 40 Stunden dauern und in allen Berichten, die ich studiert habe, hängt ein nennenswerter Teil der Passagiere hier kotzend über der Rehling.
30 Minuten nachdem dieses Foto aufgenommen wurde, bin ich bereits nicht mehr in der Lage, mich aus der Waagerechten zu erheben, ohne das mir das Mittagessen hochkommt!
Rolli hat mir Tabletten gegen die Seekrankheit gegeben. Ob sie gegen die Übelkeit helfen, weiß ich nicht. Mir ist auch so schlecht. Allerdings knocken die Dinger einen richtiggehend aus: in den nächsten 30 Stunden bin nie länger als 30 Minuten am Stück bei vollem Bewußtsein!
TAG 4
Ein nicht enden wollender Alptraum!
Ich bereue bitterlich, mich jemals auf diese Schiffs-Reise eingelassen zu haben und schwöre mir, NIE WIEDER ohne Not mit einem Schiff zu reisen. Zumindest nicht mit einem so kleinen, bei dem jede kleine Welle sich für mich wie ein Sturm anhört und anfühlt. Unsere Kabine liegt so, daß jede Welle mit solcher Wucht gegen den Kabinenboden klatscht (es ist ja ein Katamaran, dessen Mitte über der Wasseroberfläche ist), daß ich jedesmal im Bett abhebe und zudem befürchte, der Kahn würde gleich auseinander brechen!
Die letzten fünf Stunden bis Kartagena sind die Hölle: auch wen Rolli sagt, die See wäre ausgesprochen ruhig gewesen: die Wellen rollen über das Boot und die meisten Luken erweisen sich als undicht. Unsere drei Luken gehören zu denen, die besonders heftig lecken: es ist als ob jemand eimerweise Wasser in unser Kabine und auf unsere Koje schüttet. Da ich noch immer nicht den Kopf heben kann, ohne daß es mir hochkommt, bleibt mir nichts anderes übrig, als das Elend laut fluchend zu ertragen!
Zum Glück sind Netbook und Navi an einer der wenigen trockenen Stellen verstaut, was eher Zufall ist. Ich bin derbe angepißt, das wir nicht vorgewarnt wurden. Wenn das hier ruhige See ist, dann müssen die Kabinene doch auf jeder Fahrt unter Wasser stehen! Ein Eimer Salzwasser übers Netbook wäre dessen Tod gewesen!

Apropos Salzwasser: natürlich werden auch die Motorräder, die ja auf Deck stehen, regelrecht in Salzwasser gebadet.
Das war vorab meine größe Sorge: ich hatte von massiven Rostschäden gehört, die so weit gingen, daß Motorräder gar nicht mehr ansprangen, weil die Elektrik komplett korrodiert war.
Die Bremsscheiben bremsen sich natürlich weitgehend wieder „sauber“. Aber der übrige Rostbefall ist enorm - auch wenn der üppige WD40-Einsatz zumindest einiges abgefangen hat: die Kette ist dadurch beispielsweise komplett rostfrei davongekommen.
Neben den vielen sichtbaren Roststellen machen mir vor allem die Langzeitfolgen Sorgen: unser Motorräder sollen uns noch einige Jahre um die Welt tragen. Der Scheiß hier hat die Elektrik um Jahre altern lassen und wird sich früher oder später auswirken!
Für mich ist die Korrision neben der persönlichen Tortur Grund genug zu sagen: ein großartiges Erlebnis, das ich nie wiederholen werde!
Simon´s Urteil fällt positiver aus, da für sie der schöne Teil mit dem schnorcheln etc. im Bereich des San Blas Archipels einen höheren Stellenwert hat, sie in geringerem Maße unter der Seekrankheit gelitten hat und sich weniger Sorgen um den technischen Zustand der Motorräder macht.
TAG 5
Da Rolli sowohl Segel gesetzt hat, als auch einen Motor hat laufen lassen, sind wir um 02.00 morgens, also schon nach 34 anstatt 40 Stunden in Cartagena! HURRA!
Um ehrlich zu sein: trotz triefend nasser Klamotten und Matratze und trotz Seekrankheit bin ich zuletzt irgendwann wohl eingeschlafen. Ich werde mit steifem Nacken und klammen Glieder wach, weil das gleichmaßen verhasste wie vertraute Schaukeln des Bootes fehlt. Kurz realisiere ich, daß ich tatsächlich nicht gestorben bin und döse sofort wieder weg trotz der ungemütlichen Umstände. Zu groß ist meine Erschöfpung.
Beim Frühstück erklärt uns Rolli den weiteren Ablauf: er wird sich um 10.00 mit Manfred, seinem Agenten, in der Nähe treffen und ihm unsere Ausweise geben.
Wir hatten gehofft, daß wir noch am gleichen Tag den Import unserer Motorräder erledigen könnten, aber unsere Hoffnungen werden enttäuscht: um 19.00 sollen alle in ein Hostel in Getsemani (Touri-Viertel von Cartagena) kommen, um ihre Pässe mit den Einreisestempeln in Empfang zu nehmen. Erst danach ist an den Import der Motorräder zu denken.
Enttäuscht verlassen auch wir das Boot und machen uns im Gegensatz zu den anderen Passagieren zu Fuß auf den Weg zum gerade mal 2 km entfernten Getsemani, in dem rund um die Calle Media Luna praktisch alle Hotels und vor allem Hostels liegen.
Für uns ist es ein ungewohnter Luxus, sich nicht mit dem Krad durch eine fremde Stadt kämpfen zu müssen und in den Motorrad-Sachen beim Suchen kaputt zu gehen. Statt dessen haben wir T-Shirt und kurze Hose an und somit sind wir gerne bereit, ein paar Minuten in die Suche nach einem guten und günstigen Quartier zu investieren. Ganz zu schweigen davon, daß ich mich wie wiedergeboren fühle, seit der Boden unter meinen Füßen nicht mehr schwankt!
10 Meter von dem überteuerten Mode-Hostel, in dem alle unsere Mitreisenden absteigen, finden wir ein nettes Hotel, in dem wir für 30.000 COP (=12 EUR) ein Doppelzimmer bekommen.
Das Hotel hat wie alle anderen in dieser Straße und den Nebenstraßen keinen Parkplatz, was aber kein Problem ist: in der Parallelstraße hat man Auswahl, bei welchem bewachten Parkplatz man sein Motorrad für 3.000 bis 6.000 COP (1,20 bis 2,40 EUR) pro Tag parken möchte.
Abends bekommen wir wie verabredet unsern gestempelten Reisepaß. Am nächsten Tag sollen wir uns dann früh mit Manfred, dem Agenten, in Verbindung setzten und mit ihm den Import der Motorräder regeln. Anschleißend sollen wir Rolli anrufen und ausmachen, wo wir die Motorräder, die immer noch an Bord von Fritz-the-Cat sind, übernehmen können.
TAG 6
Wir brauchen einige Anläufe, bis wir endlich Manfred an der Strippe haben. Zu unserer Überraschung verkündet er, wir müßten als nächstes erstmal die Motorräder von Bord holen und mit denen dann zum Zoll kommen. Die Papiere wären dank seiner Vorarbeit schon fertig (u.a. hatte Rolli die Fahrzeugdaten schon am ersten Tag per Online-Formular an Manfred gemailt). Wir rufen Rolli über Skype an und erfahren, daß er nicht mehr an dem Liegeplatz liegt, wo wir von Bord gegangen sind. Mist! So sind wir gezwungen, uns ein Taxi zu nehmen, um zu der Stelle zu kommen, wo sie unsere Motorräder abladen wollen.

Das Abladen der Motorräder klappt prima!
Rollis 2-Meter-Größe ist unschlagbar, wenn es darum geht, ein Motorrad über ein Planke mit rund 70 cm Höhenunterschied rollen zu lassen!

Es dauert, bis wir mal wieder alles aufgerödelt haben.
Dann der Schreck: die Motorräder wollen nicht anspringen!
Scheiß-Salzwasser!
Ich hab´s kommen sehen!
Nach einigen Minuten liebvollem Zureden lassen sich unsere treuen Esel dann doch noch überreden und springen an!
Nun heißt es den Zoll (=DIAN) auf der anderen Seite der Bucht zu finden. Wir rufen Manfred verabredungsgemäß an, der uns Dampf macht: wir sollen uns beeilen. Sein Sohn würde schon die ganze Zeit beim Zoll auf uns warten. Einmal mehr bin ich angepißt angesichts der Organisationspannen, die wir ausbaden müssen!
Nach einigem Suchen finden wir den DIAN (N10°24.568 W75°32.008).
Manfreds Sohn wartet schon auf uns und innerhalb von 30 Minuten ist alles erledigt: ein Zöllner kommt raus und verifiziert unsere Fahrgestellnummern, wir leisten ein paar Unterschriften und fertig.
Letztendlich können wir uns nicht beschweren: aus anderen Berichten wissen wir, daß die Leute den ganzen Tag beim Zoll gewartet haben, wenn sie am ersten Tag die Einfuhr hinbekommen wollten. Manfred ist übrigens der Agent sowohl für die Stahlratte als auch Fritz-the-Cat und vermutlich noch zig andere motorrad-befördernde Segelschiffe.

Auf dem Weg zurück zu unserem Hotel machen wir an einer „Waschstraße“ halt, um wenigstens das gröbste Salz von den Motorrädern zu spülen. Teilweise hat sich eine regelrechte Salzschicht gebildet. Leider kann ich mit dem Hochdruckstrahler viele Stellen, die vom Salzwasser in Mitleidenschaft gezogen wurden, nicht reinigen.
Nachdem wir unser Gepäck ins Hotel gebracht und die Motorräder im Parkhaus um die Ecke abgestellt haben, machen wir uns zu Fuß an die letzte Aufgabe des Tages:
In Columbien ist der Abschluß einer Kfz-Haftpflichtversicherung Pflicht.
Die Suche nach dem Versicherungsbüro, dessen Adresse ich mir extra aus einem Reisebericht herausgeschrieben habe, gestaltet sich extrem schwierig: wir fragen gut ein halbes Dutzend Leute, die alle eine andere Meinung haben und irren eine volle Stunde in Getsemani herum, bis wir endlich den firmen-schild-losen Eingang gefunden haben, wo man dann mit dem Fahrstuhl in die siebte Etage fahren muß, von dort über eine Treppe in den achten Stock kommt und dann unvermittelt in einem modernen betriebsamen Versicherungsbüro steht.
Details zur Versicherung gibt es hier: Länder-Infos Kolumbien

Am Abend sind wir total k.o., aber froh:
wir sind in Südamerika angekommen!
PROST!
Resüme:
Die Tage zwischen den Inseln des San Blas Archipels waren erstklassig! Ob diese schöne Zeit die Nachteile der Schiffsreise (vor allem Seekrankheit und Korrosion der Motorräder) aufwiegen, ist Geschmackssache.
Ich persönlich würde sie nie wieder machen, sondern beim nächsten mal das Flugzeug wählen.
Denen, die den Turn mit einem Segelschiff machen möchten, würde ich ganz klar die Stahlratte empfehlen, da
-
die Motorräder dort weniger naß werden, weil sie höher/geschützter stehen
-
die Unterkünfte besser/geräumiger sein sollen
-
das Boot größer und schwerer als alle anderen ist und somit sich das Seekrankheits-Problem zumindest ein bißchen reduziert.
-
auf der Stahlratte i.d.R. mehr Motorradfahrer sind, was die Fahrt interessanter macht (der Highscore liegt bei 19 Motorrädern, was praktisch einem fünftägiges Motorrad-Reise-Treffen gleichkommt)
Grundsätzliches zu den Möglichkeiten, den Darien Gap zu überwinden (Segelschiff, Cargo-Schiff/RoRo, kleines Frachtboot, Flugzeug) habe ich hier zusammengestellt: Motorrad-Transport Darien Gap
hier geht unsere Geschichte weiter: Südamerika - Kolumbien Teil 1