Zentral Mexiko - Ende Nov./Anfang Dez. 2010

 

 

Von Guadalajara aus machen wir nochmal einen großen Schlenker ans Meer.

 

Kurz vor Puerto Vallarta wird die Landschaft tropisch:

Regenwald und Palmen sind die beherrschende Vegetation.

 

 

 

Im Süden Mexikos und in Mittelamerika warten Vulkane und Lavafelder en masse auf uns.

 

Noch sind sie jedoch für uns etwas Spektakuläres.

Südlich von Puerto Vallarta machen wir nochmal eine Schnorcheltour. Dank einheimischer Begleitung kostet der Spaß nur die Hälfte des überteuerten Touristenpreises und ist sein Geld wert: unser Bootsführer schnorchelt mit uns und zeigt uns wirklich erstklassige Stellen. So sehen wir unter anderem fast ein Dutzend Adler-Rochen und halten einen Ballon-Fisch und Quallen in Händen.

 

 

 

 

 

Die Straße verläuft streckenweise direkt an der Küste entlang und bietet schöne Ausblicke.

In Cuyutlán besuchen das Centro Tortuguero, wo verletzte Schildkröten, Leguane und Krokodile aufgepeppelt werden.

 

 

 

Daß Schildkröten gefährdet sind, wird uns am nächsten Tag bei einem Spaziergang am Strand von Playa Azul bewußt:

wir sehen ein halbes Dutzend toter Schildkröten, resp. leerer Panzer!

 

Auf dem Weg zurück ins Landesinnere begegnen wir einem anderen typischen Vertreter dieses Landes: der Tarantel.

 

Schon öfter haben wir die handgroßen haarigen Spinnen die Straße überqueren sehen.

 

Ein Grund, warum ich ich IMMER meine Stiefel ausschüttel, bevor ich sie anziehe!

In Angahuán, einem Städtchen, in dem wir mehr Pferde als Autos auf den buckeligen Straßen sehen, finden wir mit einiger Mühe zum Centro Touristico, wo wir endlich nochmal zelten.

Schon seit langem reden wir davon, mal zu reiten.

Hier machen wir es wahr:

mit ein bißchen Bammel schwingen wir uns mehr oder weniger elegant auf unsere Klepper und sind überrascht von der ungewohnten Perspektive:

auf einem Pferd tront man doch um einiges höher über der Erde als auf einem Krad.

Als die Gäule dann noch auf den ersten steil bergab gehenden Metern ständig ins Schliddern kommen, ist uns die Sache keineswegs mehr geheuer und wir bereuen schon fast unseren Mut, mal die Perspektive zu wechseln.

Vor allem wenn unsere Pferde ohne unser Zutun in lockeren Trab verfallen, kommt uns das unheimlich schnell und verwegen vor.

 

Nun weiß ich endlich mal die Leistung von Mary zu würdigen, die mir so manches mal von wildem Gallop in stark angeheitertem Zustand berichtet hat.

Nach ner Weile geht es dann aber doch ganz gut und am Ende sind wir uns einig: spätestens in Guatemala, wo sowas deutlich günstiger ist, werden wir uns noch mal hoch zu Roß trauen und einen längeren Ausflug machen.

Ziel unseres Rittes ist ein Dorf, das unter Lava begraben wurde. Nur der Kirchturm und der Altar schauen aus dem dem grauen Lava-Meer heraus. Der Paricution-Vulkan raucht noch immer.

 

Hänge voller kleiner Häuschen in allen möglichen Farben, enge Gässchen und vor allem viele Straßen-Tunnel - dafür ist Guanajuato berühmt.

Anfangs war es nur ein ausgetrockneter Flußlauf der zur Verkehrsentlastung befahren wurde. Mittlerweile gibt es mindestens 8 Tunnel und der Verkehr fließt in der gesammten Innenstadt auf zwei Ebenen, was die Orientierung und Wegfindung sowohl mit GPS als auch Landkarten ziemlich schwierig macht. Unnötig zu erwähnen, daß, wie in den meißten mexikanischen Städten, fast alle Straßen Einbahnstraßen sind.

 

 

Hat man diese jedoch erstmal gemeistert, dann werden all die Nachteile zu Vorteilen:

es macht Spaß durch die schmalen Gässchen zu schlendern und viel Sehenswertes ist auf engstem Raum und damit sehr fußgängerfreundlich zu erreichen.

Die Hauptattraktion von Guanajuato ist das Mumien-Museum (Museo De Las Momias). Nicht nur verkehrstechnisch ist das Städtchen seit langem überlastet und sucht unkonventionelle Lösungen. Auch der Friedhof war überfüllt. Kurzerhand werden seitdem einfach all die Leichen, für deren Gräber die Angehörigen nicht mehr zahlen, aus ihren Ruhestätten herausgeholt. Aufgrund des Mineralgehalts der Erde und der extrem trockenen Atmosphäre mumifizieren die Leichen hier schon nach 6 Jahren. Die „schönsten“ werden im Museum ausgestellt. Ziemlich gruselig!

Der ans Museum angeschlossene Salón de Cluto a la Muerte ist nicht ganz so sehenswert, aber auch nicht schlecht.

In jedem Fall zwei interessante Beispiele für den Mexikanischen Totenkult und die Weise, wie in diesem Land mit dem Tod umgegangen wird - ganz anders als bei uns in Deutschland.

 

In Angangueo einem 5.000 Seelen Dorf beziehen wir Quartier, um von dort aus am nächsten Tag das Monarch Butterfly Reserve (Santuario Mariposa Monarca) zu besuchen.

Der Tag der Jungfrau von Guadalupe, der wichtigsten Heiligen im Lande, wird eine Woche lang in ganz Mexiko gefeiert.

Überall wo wir in den letzten Tagen waren, krachten den ganzen(!) Tag Böller. Hier in Anangueo erleben wir abends auf dem großen Kirchplatz dann auch noch ein großes (Vor-?)Fest, obwohl der eigentlich Tag der Jungfrau von Guadalupe erst in vier Tagen ist: Höhepunkt ist ein Feuerwerk, ohne das in Mexiko nichts geht!

Neben dem Höhen-Feuerwerk, so wie wir es aus Deutschland kennen, gibt es ein weit eindrucksvolleres „auf Augenhöhe“: Raketen und Feuerräder explodieren an einem extra dafür aufgebauten Turm und Jungs laufen mit Raketen verschießenden „Stieren“ auf dem Rücken durch die Menge. Dabei drehen sie die Stier-Gestelle mit den Feuerwerkskörpern in alle Richtungen, so daß die Raketen und Feuerfontänen wild durch die Menschenmenge zündeln! Alle rennen durcheinander und kreischen. Ein Heidenspaß, der in Deutschland niemals erlaubt würde, da er zugegebenermaßen nicht ungefährlich ist.

Vergleichbares kann man übrigens in Tongeren (B), nahe Masstricht (NL) erleben: Auf dem jährlichen Stadtfest gibt es immer ein ähnliches „mobiles“ Feuerwerk mitten in der Menschenmenge.

 

Am nächsten Tag geht es dann zum Schmetterlings-Schutzgebiet:

Mehrere 100 Millionen Monarch Schmetterlinge fliegen aus Kanada und den USA hier runter, um hier zu überwintern und dann im Frühjahr nachdem die nächste Generation gezeugt wurde, zu sterben.

Insgesamt bedarf es einiger Generationen um die Runde Nordamerika-Mexiko und zurück in einem Jahr zu machen.

Wir entscheiden uns für den nördlichen der beiden Zugänge: Santuario Sierra Chincua. Vom Eingang heißt es einige Kilometer und vor allem einige Hundert Höhenmeter mit einem Guide zu maschieren, bis man bei den Schmetterlingen ankommt. Daß wir hier in der Spitze auf 3.400 Meter sind, merkt man: wir schnaufen ganz schön und es ist vor allem im Schatten ziemlich frisch!

Um ehrlich zu sein: ich hatte mir viel mehr davon versprochen. Mehrere Hundert Millionen Schmetterlinge hängen dicht gedrängt in den Bäumen und sehen auf den ersten Blick wie graues Laub aus. Vielleicht ist es zu einer anderen Uhrzeit (wir waren um 15.00 da), wenn die Schmetterlinge sich alle auf dem Boden sammeln, spannender?

 

 

 

 

 

Neben den Schmetterlingen gibt es als Zugabe noch ein paar eindrucksvolle Panorama-Ausblicke bei der Wanderung.

Als wir am späten Nachmittag in unsere sonst ziemlich lebhaftes Dörfchen zurückkommen, wirkt es wie ausgestorben! Alle Geschäfte sind geschlossen. Kaum Menschen oder Autos zu sehen.

Wir vermuten, daß es mit der Jungfrau von Guadalupe zu hat.

Am nächsten Morgen scheint alles wieder normal zu sein, bis uns der Typ von der Touri-Info auf der Straße abfängt und uns mit besorgtem Gesicht den Hintergrund erklärt: „kriminelle Vereinigungen“ hätten Flugblätter verteilt, in denen sie diverse Aktionen für den Dezember für die hießige Provinz (Michoacan) angekündigt hätten. Am Vortag wären 20 Menschen erschossen worden und besagte Banden hätten LKWs und Busse auf Straßen quergestellt und abgefackelt. Der Mann wirkte echt besorgt und riet uns Michoacan sofort zu verlassen, was angesichts der Veränderung zum Vortag, wo er noch alle möglichen Ziele in seiner Provinz angeprießen hatte, umso eindringlicher rüberkam.

Da wir an diesem Tag ohnehin nach Mexiko City aufbrechen wollten, blieb es uns erspart, zu beurteilen, wie gefährlich die Lage nun wirklich war.

 

Wir sind erst einige Kilometer weit gekommen, als wir zum ersten mal in Mexiko in eine großangelegte Polizei-Kontrolle kommen. An einer Landstraßenkreuzung kontrollieren zwei Dutzend Polizisten (wie immer in schußsicheren Westen) die Fahrzeuge. Hinter Sandsäcken verschanzte Bullen richten ihre Sturmgewehre auf uns. Das wirkt alles unentspannter, als die Militärkontrollen, die wir schon gewöhnt sind.

Diesmal suchen sie offensichtlich nicht nach Schmuggelwaffen in unserem Gepäck, sondern nach Knarren zum persönlichen Gebrauch: ich werde ohne lange Vorrede gründlich gefilzt.

 

Aus meiner Sicht macht auch diese Aktion mal wieder keinen Sinn: trotz akuter Gefahrenlage, ist es ziemlich absurd, daß wir als offensichtliche Motorrad-Touristen so behandelt werden.

Aber mal abgesehen davon, daß all diese Kontrollen uns immer aufhalten, sind sie zumindest ein bißchen unterhaltsam.

 

 

 

hier geht unsere Geschichte weiter: Mexiko Stadt