Yucatán-Halbinsel - Anfang Januar 2011
Was den Hitzeschlag oder Magen-/Darm-Virus angeht, so zeigt sich, daß ich zu optimistisch war. Es dauert über eine Woche, bis ich wieder richtig fit bin.
Aber erstmal sind wir froh, wieder zu rollen.

In Bacalar campen wir an der gleichnamigen Lagune, die super schön ist!
Simons Bremsen-Problem, das wir bis hier hin durch Improvisation „gelöst“ haben, entpuppt sich entgegen aller Sorgen überraschenderweise als trival: statt mühsam manuell die Bremsflüssigkeit zu wechseln und den Handbremszylinder zerlegen zu müssen hilft Kfz-Meister Zufall: als ich die Halteschraube des Bremshebels löse, ist der plötzlich wieder ganz leichtgängig. Daß er nach dem Bremsen nicht mehr von alleine zurückging, hatte ich schon als Ursache des Übels ausgemacht: dadurch wird beim nächsten „Bremsen“ keine Bremsflüssigkeit gepumpt und somit auch kein Bremsdruck aufgebaut.
Auch wenn uns damit eine große Sorge genommen wurde, die Fahrt zu einem Honda-Händler ist dennoch fällig, da wir u.a. Ölfilter brauchen. Die sind zum Glück das gängiste Ersatzteil bei Honda (es gibt im Prinzip nur zwei) und wir sind dementsprechend optimistisch sie sogar in der Ersatzteil-Wüste Mexiko zu bekommen.
Leider ist auch das mal wieder eine Fehleinschätzung.
In Felipe Carrillo Puerto haben sie bei Honda GAR KEINE Ersatzteile. Wir können es kaum glauben. Drei Motorrädchen stehen im Verkaufsraum und es gibt keine Werkstatt und somit auch NULL Ersatzteile.
Wir werden ins 150 km weiter nördlich gelegenen Playa del Carmen geschickt.
Das hatten wir eigentlich unbedingt vermeiden wollen. Hilft nichts...
In Playa del Carmen fängt die Pauschal-Touristen-Zone an, deren berühmtester respektive berüchtigster Ort Cancun ist.
Die Stadt ist fast noch schlimmer, als befürchtet. Im letzten Tageslicht suchen wir mühsam nach einer halbwegs bezahlbaren Unterkunft und landen letztendlich und notgedrungen im Hof eines Hostels - die einzige Möglichkeit in diesem Ort zu zelten. Der abgemachte Preis wird, nachdem unser Zelt einmal im überfüllten Hof auf Tuchfühlung mit den anderen Zelten steht, unverschämterweise um ein Drittel an gehoben. Nicht nur wir werden so abgezockt. Was will man machen? Das Zelt steht, es ist mittlerweile dunkel...
Zudem wird die ganze Nacht in unmittelbarer Nähe gekifft und unermüdlich geschwätzt. Die ganze Nacht! Ich werd echt zu alt und vor allem zu intollerant für die Scheiße. Sehnsüchtig denke ich an das menschenleere Nord-Kanada zurück, wo wir uns zwar um Bären sorgten, aber Bären bekommen wenigstens keinen Laber-Flash auf italienisch.
Am nächsten Tag fällt uns der Abschied leicht.
Wir finden ohne Probleme den Honda-Dealer, der zu unserer großen Überraschung alles hat, was wir brauchen. Selbst beim Eisenwarenhändler bekomme ich passende Alu-Dichtringe und Schrauben. Für mexikanische Verhältnisse ein unglaublich schneller Erfolg!
Ein paar Kilometer südlich von Playa del Carmen steuern wir den Campingplatz in Xpu-Ha an.
Der war uns am Vortag mit 200 MXN viel zu teuer gewesen angesichts von 60 bis 100 MXN, die wir die letzten Wochen immer bezahlt hatten. Aber nach der mießen Nacht in Playa del Carmen für 200 MXN finden wir Xpu-Ha nun einen guten Deal, denn hier zelten wir zumindest in schöner Atmosphäre, wenn auch teilweise kein Stück ruhiger, wie wir später feststellen müssen.
Wir treffen Graham, der mit seiner F650 hier ist und berichtet, daß wir unseren Freund Adam nur um wenige Tage verpaßt haben. Wie klein sie mal wieder ist, die Welt der Motorrad-Reisenden!

Von Xpu-Ha aus machen wir mit einem Fischer eine nicht enden wollende Schaukel-Boots-Tour nach Akumal, wo es eine Bucht gibt, in der man beim schnorcheln garantiert Schildköten zu sehen bekommt. So hatten wir es gelesen und mehrfach persönlich gehört.
Außer uns versuchen noch ca. 100 andere Schnorchler die Schildkröten zu sichten.
Nachdem wir über eine Stunde kreuz und quer durch die Bucht geschnorchelt sind (ohne Flossen!), sind wir k.o., haben aber keine Schildkröte gesehen, Dafür hatten wir unzählige Beinahe-Zusammenstöße mit anderen Schnorchlern. Soviel zum Thema kollektive Dummheit - uns eingeschlossen!

Dagegen ist der Schnorcheltrip am nächsten Tag sein Geld wert: Die Cenotes (Unterwasser-Höhlen) sind echt beeindruckend! Wenn wir den Film der Unterwasser-Kamera jemals voll und vor allem digital entwickelt haben, stellen wir Bilder hier ein.
Als letztes wollen wir uns noch den südlichen Zipfel der Karibikküste anschauen, der im Gegensatz zum massentouristischen Norden bei Cancun viel ruhiger sein soll.

Majahual entpuppt sich als wesentlich beschaulicher und relaxter, leider jedoch nicht wirklich billig.
Scheinbar legen außerdem mittlerweile täglich Kreuzfahrtschiffe mit jeweils mehreren Tausend Gästen an.
Bestimmt kann man noch immer an der Karibikküste ruhige und auch preisgünstige Stellen finden.
Wir fanden die südliche Pazifik-Küste mindestens genauso schön, bei DEUTLICH niedrigeren Preisen.

In Chetumal verbringen wir unsere zwei letzten Nächte in Mexiko und schaffen es endlich, Farbkopien unserer Ausweise machen und diese laminieren zu lassen. Seit Wochen haben wir nach einer Möglichkeit Ausschau gehalten und es bereut, das nicht schon in Deutschland vorbereitet zu haben. Dort wäre es einfacher und das Ergebnis qualitativ weitaus hochwertiger gewesen.
Die Aktion ist nochmal eine typische Lektion in Sachen Mexiko: die Dame, die die Farbkopien macht, ist total unfähig. Eine unbrauchbare Kopie nach der anderen wird produziert. Unnötigerweise! Den Führerschein im Scheckkarten-Format könne man technisch bedingt sogar überhaupt nicht kopieren, weil er zu dick sei - totaler Unsinn. Wir enden frustriert mit der Hälfte der benötigten Kopien und müssen notgedrungen mit dem Laptop ein Internetcafe suchen, das Farbausdrucke machen kann. Auch hier wieder Mexiko in Reinkultur. Was versprochen wird und was am Ende rauskommt, unterscheidet sich massiv. Schlechte Arbeit und Pfusch sind zwar nicht der Normalfall, aber auch wahrlich keine Seltenheit in diesem Land, das mir ansonsten prima gefallen hat.
Zumindest das Laminieren klappt: gute Qualität und fix gemacht!
Wofür wir das machen? Damit wir in Mittelamerika bei Polizei-Kontrollen nicht unsere Original-Ausweise aushändige müssen und den Bullen damit ein Druckmittel für Bestechungs-Forderungen geben. Daß sie aufgrund der mangelnden Qualität leicht als Kopien zu erkennen sind, soll laut Aussage vieler, die es so gemacht haben, kein Problem sein. Wir werden sehen.
Jetzt geht es auf alle Fälle endlich nach Belize, in unser erstes mittelamerikanische Land! Wegen des Hitzeschlages und dem Bremsenproblem zwar einige Tage später als geplant, aber was sind schon ein paar Tage?
Die Hauptsache Mensch und Motorrad sind wieder gesund! Rock´n´Roll!
hier geht unsere Geschichte weiter: Mittelamerika: Belize - Teil 1