Guadalajara - Ende November 2010

Guadalajara - kennt man, oder?

Ist ja schließlich Mexikos zweitgrößte Stadt, in deren Großraum mit 9 Millionen Menschen so viele Leute leben, wie in den vier größten Städten Deutschlands zusammen.

Um ehrlich zu sein: vor einem Jahr wußten WIR BEIDE nicht mal, daß es diese Stadt gibt!

 

Aber mehr als einer unserer Freunde in Köln legte uns ans Herz, unbedingt ihren alten Kölner Rock-A-Billy Kumpel Chris zu besuchen, der seit Jahren in besagtem Guadalajara lebt.

 

Erster Eindruck von der Stadt: hier geht es verkehrstechnisch GANZ anders zu, als auf dem Land!

Zum wesentlich chaotischeren und aggressiveren Fahrstil kommen noch lokale Spezialitäten in Sachen Verkehrsrecht, die uns das Leben schwer machen:

z.B.: Ost-West-Straßen haben vor Nord-Süd-Straßen grundsätzlichVorfahrt.

Von dieser Regel gibt es dann noch zig genauso wenig beschilderte Ausnahmen, die nur den Einheimischen bekannt sind.

Uns kommt es oft so vor, als hätte derjenige Vorfahrt, der einfach beherzt drauf los fährt.

Wir kommen jedenfalls heil bei Chris an und werden herzlich empfangen!

Nach einigen „Bierchen“ (1,2-Liter-Pullen) und doppelten Tequilas bei Chris zu Hause, beschließen wir am ersten Abend spontan noch auf ein Punkkonzert zu gehen.

Das entpuppt sich als illegale Veranstaltung, was in Guadalajara nicht gar so ungewöhnlich ist.

Prompt wird der Laden auch noch von den Bullen „gestürmt“! Alle müssen sich ausweisen - ich hab natürlich wie immer keinen Paß dabei, aber der Einsatzleiter läßt Gnade walten. Als nächstes geht es in einen Raum, wo alle den Flattermann an der Wand machen müssen und durchsucht werden.

Dank glimpfligem Ausgang für uns finden wir die Aktion höchst unterhaltsam! Großes Kino! Wir können von Chris geführte Punk-Rock-Stadt-Touren wärmstens empfehlen!

In einer netten Kneipe, die man mit etwas gutem Willen als Rock´n´Roll-Laden durchgehen lassen könnte, spülen wir den Schreck mit einigen weiteren Bierchen und Schnäpschen runter.

 

Die nächsten Tage verbringen wir mit Sightseeing und, wie so oft, mit der Suche nach Motorrad-Teilen und ähnlichem: z.B. jemandem, der einen Tankrucksack-Reisverschluß reparieren kann oder einer neuen Sicherung für das 12-Volt-Ladegerät des Netbooks.

Chris chauffiert uns unermüdlich und souverän in seinem mattgrauen 69er Ford Galaxy durch die Stadt und mehr als einmal staunen wir, wie er in diesem für uns chaotischen Verkehr mit diesem riesigen Schiff klarkommt.

 

Dank seiner Orts- und Sprachkenntnisse erleben wir Guadalajara von einer Seite, die wir als Fremde nie selbstständig hätten entdecken können!

 

Bisher haben sich alle Warnung bezüglich Mexiko als total übertrieben entpuppt.

Der erste Eindruck den wir vom Know-How mexikanischer Motorrad-Mechaniker gewinnen, entspricht jedoch leider den Gerüchten: unglaublich inkompetent!

In Sachen Kette kürzen und Reifen wechseln/wuchten jagt ein fetter Patzer den nächsten. Wir haben wirkich gestaunt, daß man SO wenig Ahnung haben kann.

Zum Kultur-Teil gehört u.a. der Besuch einer Kantina.

Kommt uns vor, wie Mexikos Antwort auf ein Kölsches Brauhaus.

Bombenstimmung: der Klavierspieler wird von vielen Gästen mit lautem und überraschend gekonntem Gesang begleitet.

Manch Einer ist schon zu früher Stunde hacken-stramm. Wer hier vom Hocker kippt, fliegt nicht raus, sondern wird wieder aufgerichtet - Kantina-Alltag!

Besonder interessant finden wir die typischen Katrinas. Anläßlich des Dia de los Muertos gab es einen Künstler-Wettbewerb, wodurch überall in der Stadt originelle „Toten-Frauen“ stehen.

 

Daß nur dreimal am Tag Besucher in stark begrenzter Anzahl auf den alten Friedhof dürfen, weckt hohe Erwartungen, die leider nicht gehalten werden:

zugegeben, er war ganz nett.

Aber im internationalen Vergleich würden wir ihn nicht in die Top-Liga einordnen.

Als wir nach einer Woche „Urlaub von der Reise“ Lebe wohl sagen, kommt es uns vor, als verließen wir einen alten Kumpel!

 

Selten haben wir uns irgendwo so wohl gefühlt!

hier geht unsere Geschichte weiter: Zentral Mexiko