Baja California - Anfang November 2010

 

Kurz hinter Ensenada erreichen wir La Bufadora - ein „Gezeiten-Blas-Loch“, aus dem das Meerwasser in beeindruckenden Fontänen von bis zu 30 Meter in die Höhe schießt.

Die Baja ist sehr amerikanisch.

 

Viele Mexikaner sprechen hier Englisch und auf dauerhaft hier lebenden Amis zu treffen, ist Alltag.

 

So ist auch Pete´s Camp nördlich von San Felipe ganz in US-Hand.

 

Dessen Strand, an dem wir als einzige zelten, ist so dermaßen schön, daß man meinen könnte, man wäre in einem Werbeprospekt gelandet.

 

 

 

Hammer-Sonnenuntergänge sind in den letzten Tagen keine Seltenheit gewesen.

 

Nichtsdestotrotz sind wir jedesmal auf´s neue ergriffen und allerbester Laune!

Entlang der Cortez-See geht es Richtung Süden - ein Tip, den uns Greg in San Diego gegeben hatte.

Tolle Strände mit Zeltmöglichkeiten en masse.

Hinter Puertecitos geht irgendwann die frisch geteerte Prachtstraße in eine üble Geröllpiste über.

Entgegen Greggs Versicherung ist das hier ganz harte Kost für uns und unsere schwer beladenen Möchte-Gerne-Enduros.

Lohn der Mühe: Kaum Menschen und dafür viele Tiere. U.a. sichten wir zigmal wilde Esel und auch einige Kojoten!

Einen einsamen Platz am Wasser zum wild campen zu finden, ist hier kein Problem. Hier ist es so einsam, daß man beim schwimmen gehen bedenkenlos die Bade Hose weg lassen kann.

Am nächsten Tag geht es Stunde um Stunde so mühsam weiter wie am Tag zuvor.

 

Das hier ist die übelste Geröllpiste, die wir bisher gefahren sind.

 

Für leichte, unbeladenen Enduros kein Problem.

 

Wir begegnen einigen Sport-Enduros und Wüsten-Spezial-Autos, die uns staunend in Staubwolken zurücklassen.

Die sind verdammt viel fixer unterwegs als wir.

Offensichtlich Profis, die wegen der in Kürze startenden Baja1000 hier sind.

Für uns ist es üble Schinderei.

 

Unzählige Male verfluche ich Gregg für diesen „Geheim“-Tip!

 

Der Schweiß fließt in Strömen und wir halten jede halbe Stunde an, um Wasser „nachzutanken“ und uns kurz im Schatten der Motorräder auszuruhen.

 

Nach rund 120 km Geröllpiste, die in Kürze komplett einer breiten Teerstraße gewichen sein werden, kommen wir wieder auf die Mex1.

 

Wir genießen das mühelose Dahinrollen auf dieser tadellosen Straße und den Anblick der Kakteen-Landschaften, für die die Baja berühmt ist.

 

 

 

 

 

 

Als es zu dämmern beginnt, schlagen wir uns einfach ein paar 100 m weit in die von unzähligen Kakteen-Arten übersähte Wüste.

 

Einer der stimmungsvollsten Lager-Plätze, die wir je hatten!

Ich trau mich kaum es zu sagen, aber auch an diesem geilen Ort werden wir schon wieder mit einem wirklich erstklassigen Sonnenuntergang belohnt.

 

Solche Momente kommen unseren kühnen Träumen vom romantischen Motorrad-Abenteurer-Leben verdammt nahe.

Wir haben unsere Ankunft in Mexiko extra so gelegt, daß wir den Tag der Toten mitbekommen.

Der Dia de Muertos wird hier ganz anderes gefeiert, als wir sowas aus Deutschland kennen!

Auf dem Friedhof ist alles farbenfroh.

Massen von bunten Kunstblumen.

Blaskapellen spielen, Musik von Kasettenrekordern dudelt. Familien picknicken am Grab der Angehörigen. Es wird getrunken, gegessen, gelacht. All das wirkt viel fröhlicher und lockerer als der steife Umgang, den man in unseren Breiten mit dem Thema pflegt. Allerdings sind auch wir in der europäischen Kultur aufgewachsen und verzichten daher pietätvoll darauf, Fotos auf dem Friedhof zu schießen, auch wenn es in Mexiko vielleicht niemand für pietätlos gehalten hätte.

 

Der Krankenhausbesuch in San Diego ist erst wenige Tage her und die gesundheitlichen Probleme noch nicht ausgestanden. Nun hat Simon zudem auch noch massive Zahn-Probleme.

Wir fragen rum und landen bei einer mehr schlecht als recht Englisch sprechenden Zahnärztin. Nicht gerade optimal, aber irgendwie klappt die Verständigung zu diesem diffizielen Thema dann doch halbwegs. Nach einigen sprachlichen Mühen halten wir sogar eine schriftliche Diagnose und so was ähnliches wie eine Rechnung in Händen, das mit etwas Glück den Anforderungen unserer Krankenversicherung für die Rückerstattung genügen wird.

 

Wenn´s Scheiße regnet, dann richtig: nun ist auch noch das Netbook im Arsch: nach einer Defragmentierung der Festplatte geht (fast) gar nichts mehr. Alleine Hochfahren dauert gut 20 Minuten. Zwei Tage plage ich mich mit blanken Nerven, daß Problem zu beseitigen - bei einem so langsam arbeitenden Computer eine schwere Gedultsprobe, der ich nur mit Mühe gewachsen bin. Mehr als einmal möchte ich die Kiste einfach nur an die Wand schmeißen.

Am zweiten Tag bin ich mit meinem Latein am Ende und begebe mich auf die Suche nach professioneller Hilfe.

Die Stimmung ist im Keller und die potenziellen Lösungs-Alternativen haben alle eins gemeinsam: Verlust wichtiger Daten und viele viele Tage Arbeit.

So ein Computer-Crash ist immer Scheiße, aber auf Reisen ist es ein Alptraum.

Wir haben Glück im Unglück: der Sohn der Campingplatzbetreiberin ist ein Computer-Freak!

Nach einigen bangen Tagen hat Josef es jedoch geschafft, die Kiste wieder ans Laufen zu kriegen. Als ich ihn in meiner überschwenglichen Erleichterung vor seinen Angestellten umarme, wirkt der arme Kerl ein bißchen überfordert!

Mir fällt jedenfalls ein GAAANZ GROSSER Stein vom Herzen und ich nehme mir fest vor, mein Datensicherungskonzept erheblich zu verbessern!

Nachdem die ersten Tage in La Paz von Sorgen um Gesundheit und Computer bestimmt waren, kommt nun die Kür:

Einheimische nehmen uns zum Lucha Libre, dem Mexikanischen Wrestling mit, das eine viel längere Tradition haben soll, als die amerikanische Version.

Ein einmaliges Spektakel! Wir amüsieren uns königlich!

Daß die Akteure ganz sicher nicht in der ersten Liga spielen, tut der Sache keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil: es ist dem Unterhaltungswert noch förderlich.

Phasenweise ist das Ganze eher slappstickmäßig. Mehr als einmal geht der „Kampf“ auf den Rängen und in Mitten des Publikums weiter, was vor allem die vielen Kinder begeistert!

Die Top-Acts sind ein Zwerg (und man muß verdammt klein sein, um bei all den zu kurz geratenen Mexikanern als Zwerg zu gelten:-)) und „das Skelett“, das bei jeder Gelegenheit in unmißverständlicher Weise ansetzt, die Gegner in den Arsch zu ficken oder zu Oral-Sex zu zwingen. Es weniger vulgär zu beschreiben, würde der Sache einfach nicht gerecht.

Ich krieg die ganze Zeit ein fettes Lächeln nicht aus dem Gesicht, weil ich mir vorstelle, wie mancher Elternteil nach der Show angesichts der Fragen ihrer Sprößlinge in Erklärungsnot kommt.

 

Die Welt ist ein Dorf und die der Motorrad-Fernreisenden sowieso.

Immer wieder treffen wir Freunde on the road!

 

In La Paz ist der Effekt jedoch besonders extrem: Erst laufen wir unserem Lieblings-Engländer Adam über den Weg. Er ist dieser Tage mit nem Typ unterwegs, der auf ner 125er um die Welt fährt! Hut ab!

Dann rollen irgendwann vier Krad-Reisenden (siehe Foto) auf unseren Campingplatz, von denen sich einer als Cory entpuppt, den wir vom MRT in Canada kennen.

Und zu guter Letzt treffen wir noch am Abreisetag Mike, bei dem wir in Kanada zu Gast waren.

Daß wir zudem noch Marco und Nicole kennenlernen, die aus der Schweiz kommen und mit einem geländegängigen „Wohnmobil“ unterwegs sind zählt fast nicht. Nach kurzer Zeit entpuppen sie sich als Freunde von Andi und Susanne.

Wie gesagt: die Welt der Fernreisenden ist ein KLEINES Dorf.

 

DAS Highlight unseres La Paz Aufenthaltes ist ein Bootsausflug:

Beim ersten Stop gehen wir mit Seelöwen schnorcheln! Ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde. Mehr als einmal erschrecken wir uns, wenn mal wieder ein verspieltes Weibchen (die geschätzt weit über 100 kg wiegen) oder ein Jungtier knapp an uns vorbeischießt oder mit uns spielt!

Von den Bullen sollte man sich lieber fernhalten, was uns leicht fällt, da ihre Größe wirklich imposant ist.

 

Diese Stunde unter Wasser war ein wirklich außergewöhnliches Erlebnis.

Da schmeckt das Bier besonders gut. Es ist übrigens genauso wie Softdrinks und ein gutes Fisch-Picknick an einem traumhaften Strand, der karibik-würdig ist, im Preis inbegriffen.

 

Beim zweiten Schnorchel-Gang habe ich leider eine sehr schmerzhafte Begegnung mit Quallen. Für kurze Zeit ist die Euphorie der Seelöwen-Begegnung verflogen und wir werden an unsere Pechsträhne erinnert: Gesicht und Nacken brennen, als hätte mich ein Dutzend Bienen malträtiert! Hölle!

Der dritte Stop hat dann allerdings noch ein echtes Highlight zu bieten:

sSchnorcheln mit Wal-Haien - den größten Fischen der Welt, die bis zu 20 Meter lang werden.

Diese messen zwar nur 6 Meter, aber wenn ein einen Meter breites weit geöffnetes Maul auf Augenhöhe auf einen zukommt, gibt man sich verdammt angestrengt Mühe, bloß nicht wie Plankton auszusehen. Denn das ist das einzige, was diese sehr friedliebenden Tiere fressen.

 

Am Ende dieses Tages sind wir uns trotz des kleinen Wermutstropfens in Sachen Quallen einig: der Ausflug war jeden der 66 USD wert! Neben den oben genannten Highlights gab es übrigens noch 1000e bunter Fische, Anchovi-Schwärme und Rochen zu sehen! Unbedingt empfehlenswert!

 

Nachdem wir uns problemlos unsere Vehicle Permit in La Paz am Fährhafen geholt haben, setzen wir mit der Fähre nach Topolobampo über. Der Fahrt kostet übrigens rund 95 EUR (790 MXN pro Person + 810 MXN pro Krad) und dauert sechs Stunden.

 

 

Infos zu den Fähren La Paz - Topolobampo und La Paz - Mazatlan gibt es hier:

www.bajaferries.com

 

 

Hier geht unsere Geschichte weiter: Copper Canion - Teil 1